21 Deutschland, wo inzwischen bei gut der Hälfte der Einbürgerungen Mehrfachstaatsangehörigkeit geduldet wird, zeigt, dass einem Beharren auf dem Verbot der Mehrfachstaatsangehörigkeit, wie es Österreich praktiziert, nur wenig Positives abzugewinnen ist. 7. Demographie der Einbürgerung Im Vergleich zur dichten politikwissenschaftlich-rechtlichen Literatur zum Thema Staatsbürgerschaft ist das konkrete Einbürgerungsverhalten in Europa wenig untersucht. Die meisten der vorliegenden Untersuchungen sind maximal zehn Jahre alt, meist handelt es sich um Einzelfallstudien, vergleichende Studien sind selten. Relativ gut untersucht ist das Einbürgerungsverhalten in den USA. Eine aktuelle Studie (Sumption/Flamm 2012) nennt die Herkunft aus einem Land mit niedrigem Einkommensniveau, einen höheren Bildungsgrad, gute Englischkenntnisse und langdauernden Aufenthalt als die relevantesten erklärenden Variablen für eine hohe Einbürgerungsneigung. Auch die Herkunft aus einem politisch krisengeschütteltem Land sowie ein Flüchtlingsstatus erhöhen die Einbürgerungsneigung, während auch gut qualifizierte EinwanderInnen mit guten Englischkenntnissen und langdauerndem Aufenthalt aus reichen Ländern eine geringere Einbürgerungsneigung aufweisen, da sie sich offenbar von einer Einbürgerung weniger Vorteile erwarten (a.a.O, 4 – 12). Die gleiche Studie zeigt auch deutlich positive ökonomische Effekte der Einbürgerung: Gesamt gesehen, verdienen Eingebürgerte zwischen 50% und 70% mehr als nicht eingebürgerte EinwanderInnen, werden die meist höhere Ausbildung und die besseren Sprachkenntnisse kontrolliert, verbleibt noch immer eine „Einbürgerungsprämie“ um die 5% des Einkommens. Auch die Arbeitslosenraten und das Armutsrisiko sind bei Eingebürgerten deutlich niedriger. Diese Unterschiede werden damit erklärt, dass einerseits ArbeitgeberInnen vor der Bürokratie der Anstellung ausländischer ArbeitnehmerInnen zurückschrecken und andererseits die Einbürgerung von ArbeitgeberInnen als Signal für bereits stattgefundene Integration angesehen wird (a.a.O., 11). Eine Untersuchung der US - Volkszählung 2000 (Chiswick/Miller 2008) verweist auf die Interaktion von Herkunftsland- und individuellen Charakteristika zur Erklärung der Einbürgerungswahrscheinlichkeit, wobei individuelle Charakteristika die Einbürgerungsneigung zu einem höheren Anteil erklären als Herkunftslandcharakteristika. Bezogen auf die individuelle Ebene, ist der Bildungsgrad der stärkste Einflussfaktor: Bildungshöhe korreliert bei Männern und noch stärker bei Frauen positiv mit der Einbürgerungswahrscheinlichkeit, gefolgt vom Alter bei der Einreise – je höher das Einreisealter, umso höher die Wahrscheinlichkeit, im Alter von 40 die US- Staatsangehörigkeit erworben zu haben. Bis zu einer Aufenthaltsdauer von 37 Jahren bei Männern und 40 Jahren bei Frauen steigt die Wahrscheinlichkeit der Einbürgerung mit der Aufenthaltsdauer, danach sinkt sie. Relativ gesehen, nimmt der Einfluss der Aufenthaltsdauer auf die Einbürgerungswahrscheinlichkeit mit der Dauer des Aufenthalts ab (Chiswick/Miller 2008, 30ff.). Ein weiterer die Einbürgerungswahrscheinlichkeit erhöhender Faktor ist das Leben in einem Familienverbund, dieser Faktor korreliert positiv mit dem Bildungsgrad. Andere untersuchte Variablen, wie z.B. Englisch als Haushaltssprache, Wohnort, Kinderanzahl, wiesen in dieser Studie keinen signifikanten Einfluss auf (a.a.O., 34).