23 Auf individueller Ebene ist der Zusammenhang mit der Aufenthaltsdauer am stärksten: EinwanderInnen mit einer unter 10 Jahre liegenden Aufenthaltsdauer sind um 90% seltener eingebürgert als solche mit einer Aufenthaltsdauer von mehr als 10 Jahren, auch dort, wo, wie in den meisten untersuchten Ländern, die Mindestaufenthaltsdauer für die Einbürgerung um fünf Jahre liegt (a.a.O., 14). Wie in den vorgestellten US-amerikanischen Studien, korrelieren auch in Europa Bildungsstatus und sozioökonomischer Status deutlich mit der Einbürgerungswahrscheinlichkeit: Personen mit mindestens Sekundärstufenabschluss sind zu 25% wahrscheinlicher eingebürgert als solche mit Primärschulabschluss. Einen starken Einfluss hat auch der sozioökonomische Status, auf einer 100-stufigen Statusskala bringt jeder Punkt eine um 0,9 Prozentpunkte höhere Einbürgerungswahrscheinlichkeit. Arbeitslosigkeit senkt die Einbürgerungswahrscheinlichkeit, ebenso der Gebrauch einer anderen als der Staatssprache im Haushalt (- 45%). Weitere wesentliche Erklärungsfaktoren sind der Familienstatus – Verheiratete sind mit einer um 65% größeren Wahrscheinlichkeit eingebürgert als Ledige, Geschlecht – Frauen sind zu 45% eher eingebürgert als Männer, und Alter. In Bezug auf die Einbürgerungsbestimmungen der Zielländer ist vor allem die Akzeptanz von Mehrfachstaatsangehörigkeit zentral. EinwanderInnen, die ihre Herkunftsstaatsangehörigkeit behalten dürfen, lassen sich mit einer um 40% höheren Wahrscheinlichkeit einbürgern als jene Gruppen, die sie aufgrund von Herkunfts- oder Ziellandregelungen aufgeben müssen (a.a.O., 16). Allerdings ist diese Variable im Verhältnis zu anderen Erklärungsvariablen nur wenig aussagekräftig. Gesamt gesehen werden jedoch alle analysierten Variablen deutlich vom Herkunftskontext bestimmt. Für Zugewanderte aus hochentwickelten Ländern sind die oben geschilderten Zusammenhänge zwischen Bildung, sozioökonomischem Status und Einbürgerungsneigung deutlich schwächer als für Zugewanderte aus ärmeren Ländern. Die AutorInnen entwickeln für diese Unterschiede zwei Erklärungshypothesen, die durch eigene Studien zu untersuchen wären: Die höhere Einbürgerungswahrscheinlichkeit von Eingewanderten mit guter Bildung aus weniger entwickelten Ländern und ihre im Verhältnis frühere Einbürgerungsentscheidung könnten sich damit erklären lassen, dass diese stärker von der Staatsbürgerschaft eines reichen Landes profitieren würden, oder aber auch deshalb, weil sie eher in der Lage wären, die komplexen Einbürgerungsregeln zu verstehen, während auch weniger gebildete Eingewanderte aus reicheren Ländern ähnliche Regelwerke aus ihrem Herkunftskontext kennen würden. Für Eingewanderte aus reichen Ländern ist hingegen die Aufenthaltsdauer die zentrale Erklärungsvariable, was darauf hindeutet, dass in diesem Fall die Einbürgerung der Niederlassung nachfolgt bzw. es ihnen schwerer fällt, die Einbürgerungsbedingungen in einem kurzen Zeitraum zu erfüllen. (a.a.O., 19). 8. Einbürgerungsmotive Die individuellen Motive für eine Einbürgerung wurden erst in den letzten Jahren zu einem Thema der Forschung. Für Österreich liegt die Dissertation David Reichels (2010) sowie eine Diplomarbeit über Einbürgerungen in Vorarlberg vor, die Einbürgerungsstudie des BAMF (2012) ist die aktuellste Untersuchung der Einbürgerungsmotive von in Deutschland