Seite 2 | Verpflichtende Frauenquote im Aufsichtsrat ab 2018 intransparenter die Auswahlkriterien und der Bewerbungsprozess. „Das Geschlecht ist egal. Die Qualifikation muss stimmen und dass er zur Mannschaft passt,“ bringt eine männ- liche Führungskraft die Spielregeln auf den Punkt. Neben den informellen, intransparenten Auswahlverfahren und der Rekrutierung aus bestehenden, persönlichen Netzwerken dürfte Teilzeitarbeit ein weiteres Karrierehemmnis für Frauen sein. Unternehmen bevorzugen bei der Besetzung von Führungspositionen nach wie vor eher Vollzeitkräfte: Wie die Untersuchung „Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf“ der deutschen Hans-Böckler-Stiftung zeigt, ist Teil- zeitbeschäftigung in höheren Positionen sehr selten. Dies dürfte auch für Österreich gelten. Während weibliche Karrieren zumeist in der zweiten oder dritten Führungsebene enden, gelangen Männer dank ausgeprägter Präsenz- kultur und hoher Sichtbarkeit an die Spitze. Diesen männlich geprägten Karrieremustern müssen bestens ausgebildete Frauen Tribut zollen und verschwinden in der sogenannten „leaky pipeline“. Dieses Phänomen bezeichnet den – über den Karriereverlauf – sukzessive, abnehmenden Frauenanteil. Wie die Führungspyramide (vgl. Abbildung 2) zeigt, steigt die „Männerquote“ mit zuneh- mender Hierarchieebene an: Während der Frauenanteil unter den Erwerbstätigen mitt- lerweile bei 46,8 % liegt, finden sich in den größten 200 Unternehmen Österreichs ledig- lich 15,8 % als Prokuristinnen und damit in einem wichtigen Teilsegment des mittleren Managements wieder. Gerade in dieser ent- scheidenden, mittleren Phase der Karriere sind Frauen mit vielfältigen Formen von Benach- teiligungen konfrontiert, insbesondere dann, wenn es um sogenannte „hot jobs“ geht. Das sind jene Projekte, die hohe Sichtbarkeit gewährleisten bzw. von der Organisation als erfolgskritisch eingeordnet werden. Zudem hält die deutsche Personalwissenschaftlerin und Diversitätsexpertin Gertraude Krell fest, dass subtile „Mikro-Herabsetzungen“ (wie beispielsweise das Übergehen von Rede- und Diskussionsbeiträgen oder das Ignorieren ABBILDUNG 1 GESCHLECHTERVERHÄLTNIS IN DEN GESCHÄFTSFÜHRUNGEN UND AUFSICHTSRÄTEN (TOP 200 UNTERNEHMEN, 2007-2017) Quelle: AK Wien, Frauen.Management.Report.2017, S. 20 Wussten Sie, dass Frauenkarrieren zumeist im mittleren Management und damit in der zweiten und dritten Führungs ebene enden? FRAUEN IM AUFSICHTSRATFRAUEN IN DER GESCHÄFTSFÜHRUNG 100 % 80 % 60 % 40 % 20 % 0 % 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2019 ?