27 4. Anwendungsfall Vermögensbesteuerung Um ein Beispiel für die praktische Anwendbarkeit der modifizierten Daten zu geben und die Implikationen dieser Modifikation für die Praxis zu illustrieren, werden nun im vorliegenden Kapitel verschiedenste hypothetische Vermögenssteuervarianten auf deren Aufkommen hin geschätzt. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass es in Österreich in der Vergangenheit bereits eine Vermögenssteuer gab, welche allerdings 1993 abgeschafft wurde. 6 Bei den hier vorgeschlagenen Vermögenssteuermodellen werden, im Unterschied zu der ursprünglichen Variante, ausschließlich Haushalte (und damit keine Körperschaften) als Steuersubjekte herangezogen. Das in Körperschaften gebundene Vermögen wird dabei allerdings in den folgenden Modellrechnungen nicht ignoriert – vielmehr ist es als Bestandteil der Privatvermögen der Haushalte auch relevant für die Bestimmung der jeweiligen Bemessungsgrundlagen. Firmenvermögen wird hier also auf der Ebene der Privathaushalte, die Firmen besitzen, besteuert – die Firmen selbst werden daher nicht als Steuersubjekte behandelt. Im Folgenden werden sechs verschiedene Steuertarife auf Basis von vier unterschiedlichen Kombinationen von Annahmen analysiert: Zuerst wird der jeweilige Tarif schlicht mit den unveränderten Originaldaten durchgerechnet. Eine zweite Simulation liefert ein Schätzergebnis für den modifizierten Datensatz. Eine dritte Anwendung liefert ein Schätzergebnis auf Basis der modifizierten Daten und unter Berücksichtigung von Ausweicheffekten seitens der Steuersubjekte. Zur Quantifizierung dieser Effekte wurden in der entsprechenden Literatur etablierte Größen herangezogen (vgl. Bach/Beznoska, 2012) 7 . Schließlich wird in der letzten Variante untersucht, wie sich sehr starkes Ausweichverhalten auf die Aufkommensschätzung auswirkt. Zu diesem Zweck wird von den doppelten Werten von Bach und Beznoska (2012) ausgegangen. 8 Dabei stehen im Nachfolgenden vor allem die 6 Das Gesamtaufkommen der Vermögenssteuer 1993 in Österreich betrug 612 Mio. Euro. Der damalige proportional gestaltete Steuersatz betrug 1% mit persönlichen Freibeträgen in Höhe von jeweils 10.900 Euro (150.000 Schilling) für den Steuerpflichtigen, die Ehegattin sowie für jedes minderjährige Kind. Zusätzlich war ein Altersfreibetrag in gleicher Höhe für Personen über 60 Jahre vorgesehen. Auch Körperschaften, deren Vermögen hauptsächlich über die Einheitswerte des Betriebsvermögens ermittelt wurden, wurde die gleiche Freigrenze von ebenfalls 10.900 Euro gewährt. Zur Bewertung von Grundstücken und Immobilien wurde der sogenannte Einheitswert für die Steuerbemessung herangezogen. Da der Einheitswert für die meisten Grundstücke und Immobilien seit 1973 nicht valorisiert wurde, lag dieser weiter unter dem tatsächlichen Verkehrswert. Dies führte zu einer massiven Unterbewertung des Grundbesitzes, was sich auch am relativ niedrigen Anteil natürlicher Personen am Gesamtaufkommen widerspiegelt (Meichenitsch, 2006). 7 In Übereinstimmung mit Bach und Beznoska (2012) unterstellen wir einen Rückgang der Bemessungsgrundlage von 24% bei Finanzvermögen sowie 13% bei Firmenvermögen. Weil Immobilienvermögen nicht ins Ausland transferiert werden kann, berücksichtigen Bach und Beznoska (2012) hier keine Ausweichreaktionen. Da die steuerliche Erfassung des Verkehrswertes einer Immobilie in der Praxis mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein wird, nehmen wir jedoch aus Vorsichtsgründen einen Rückgang der Bemessungsgrundlage bei Immobilien von 20% an. 8 Dies ergibt 48% bei Finanzvermögen und 26% bei Firmenvermögen. Bei Immobilienvermögen behalten wir die Annahme von 20% bei.