Vorwort E ine breite Mehrheit der Menschen ist besorgt, weil die Ungleichheit in Österreich zunimmt und der Reich- tum in wenigen Händen konzentriert ist. Nur eine Handvoll Menschen können ihr Geld für sich arbeiten lassen und häu- fen große Vermögen an. Das tatsächliche Ausmaß ihres Reichtums ist bislang aber kaum bekannt, denn die Reichen geben über ihr Vermögen nur ungern Auskunft. Da Verteilungsgerechtigkeit eine zentrale Forderung der Arbeiterkammer ist, ist uns die Aufklärung über die tatsächliche Ver- mögenssituation in Österreich ein großes Anliegen. Die neuesten Forschungsergebnisse der AK Wien belegen das Bauchgefühl der Bevölkerung: Die Reichen sind noch rei- cher als bisher bekannt und die höchs- ten Einkommen heben immer weiter ab. Das reichste Prozent der österreichischen Haushalte besitzt allein mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens. Jeder dieser Haushalte hat durchschnittlich fast 13 Mil- lionen Euro, während die Hälfte der Haus- halte in Österreich weniger als 74.000 Euro besitzt. Zudem bezieht das oberste Prozent bei den Einkommen rund 8.000 Euro pro Monat aus ihrem Vermögen, das sind Zinsen, Mieteinnahmen und Gewinn- ausschüttungen. “Es gibt eine enorme Schieflage bei Vermögen in Österreich. Sehr wenige haben sehr viel, sehr viele nur sehr wenig. Hier läuft etwas schief. Die Reichen müssen einen fairen Beitrag in unser Steuersystem leisten. Daher fordere ich die Einführung einer Mil- lionärssteuer.” Die Menschen sind zu Recht der Ansicht, dass die Ungleichheit nicht aus dem Ruder laufen darf. Denn die Verteilung des Reichtums hängt eng mit wichtigen Fra- gen zusammen, die uns alle betreffen: Wie können wir dieselben Möglichkeiten in der Gesundheitsversorgung für alle Menschen garantieren? Wie können wir ausgeglichene Zukunftschancen für alle Kinder gewährleisten – unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Eltern? Eine gerechte Verteilung des Reichtums wirkt sich auf viele Bereiche unseres Lebens aus. Vermögenssteuern erhöhen die Chancen- gleichheit, weil sie nicht diejenigen aus der Verantwortung entlassen, denen ein Vermögen in den Schoß fällt. Und sie er- höhen die Gerechtigkeit, weil diejenigen, die es sich leisten können, auch ihren Teil zum solidarischen Miteinander beitragen. Rudi Kaske AK Präsident | To p - E i n kommEn und V ErmögEn i n ö sT ErrE i ch2 Folder_Vermögen.indd 2 20.06.14 13:25