WIEN WÄCHST 4 ARBEITERKAMMER WIEN Die Folge unverträglicher Verdichtung wäre ein Verlust an Attraktivität der Stadt als Lebensraum, gerade auch für jüngere Familien. Zunehmende Widerstände aus der Bevölkerung zeigen, dass diese Problematik, allerdings nicht in jedem Fall zu Recht, wahrgenommen wird. Es besteht aber auch die Gefahr der Verstärkung des Entstehens von „Hitzeinseln“. Sowohl allgemeine stadtentwick- lungspolitische Ziele als auch explizite Klimabelange drohen bei zu hoher Verdichtung konterkariert zu werden. „Dichte“ ist also kein Wert an sich und es ist daher nicht auszuschließen, dass es nach sorgfältiger Abwägung geboten ist, einer Neuversiegelung von Flächen den Vorzug zu geben, trotz des unzwei- felhaft richtigen Zieles, diese auf ein Mindestmaß zu begrenzen. So plant in der Bundesrepublik zurzeit selbst die Stadt Freiburg, eine der Vorreiterinnen nachhaltiger Stadtentwicklung, mangels tragfähiger Alternativen ein neues Baugebiet für ca. 10.000 Einwohner unter Inanspruchnahme bisher unversiegelter Flächen. Von besonderer Bedeutung ist gerade aber auch angesichts der Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit den Flächen die regionale Zusammenarbeit. Auch sie fördert die Optimierung der Flä- chennutzung und effiziente Ausnutzung (bestehende) Infrastruktur. Die Thematik kann an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Als ermutigendes Beispiel dafür, dass diese Erkenntnis zu- nehmend Verbreitung erfährt, sei auf den "Regionalen Flächennutzungsplan" von sechs Städten in der Region Ruhr hingewiesen. ÖKONOMISCHER STRUKTURWANDEL Die Ökonomie der Zukunft wird stark beeinflusst durch die „digitale Revolution“. Diese birgt durch- aus die Chance, sich zu Gunsten der Städte auszuwirken. Die zu beobachtenden neuen Formen der Kultur-und Wissensproduktion haben häufig eine Affinität zu innerstädtischen Quartieren. Die Stadt übernimmt dabei die Funktion eines „Zufallsgenerators“ 1 für Kontakte, Informations- und Austauschgelegenheiten. Sie ist wesentliche Voraussetzung für neue Formen von Beschäftigung und neue urbane Lebensstile. Die Geschwindigkeit des Strukturwandels ist dabei enorm. So wird die „digitale Revolution“, ganz wesentlich auch die weitere Entwicklung des industriellen Sektors, beeinflussen. In der Bundesre- publik firmiert dieser Prozess unter dem Begriff „Industrie 4.0“. Die Auswirkungen auf die Allokation der Produktionsstandorte und damit der Arbeitsplätze ist zurzeit noch kaum absehbar. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich aufgrund dieser Entwicklung weitere Möglichkeiten einer stärke- ren Nutzungsmischung ergeben. Auch dieses, zum Beispiel im Hinblick auf „kurze Wege“ unter Umweltaspekten grundsätzlich richtige Ziel bedarf allerdings einer sorgfältigen Prüfung vor dem Hintergrund der jeweiligen örtlichen Rahmenbedingungen. Zur nach wie vor bestehenden Notwen- digkeit der Reduzierung unverträglicher Beeinträchtigungen der Funktion „Wohnen“ durch unter- schiedliche Lärmquellen, so neben dem Gewerbelärm durch Verkehrslärm, müssen (rechtliche) Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch übermäßigen Lärm sind inzwischen durch zahlreiche Untersuchungen nachgewiesen. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang ferner auf die soziale Komponente. Wie Analysen zeigen, sind in Städten häufig gerade die Wohnstätten sozial schwächerer Schichten in Bereichen, die stärkeren Lärmimmissionen ausgesetzt sind. 1 Häußermann, Hartmut/Läpple, Dieter/Siebel, Walter : Stadtpolitik, S.369; Edition Suhr- kamp,Bd.2512, Suhrkamp Verlag; Frankfurt/Main 2008