WIEN WÄCHST ARBEITERKAMMER WIEN 5 Im Zusammenhang mit der „digitalen Revolution“ bedarf auch das Thema „Smart City“ wenigstens der Erwähnung. Auf eine Definition wird hier verzichtet. Es gibt vielfältige Ansätze. Effizienzsteige- rungen städtischer Systeme mithilfe der Informationstechnologie stellen ganz sicher in vielerlei Hin- sicht eine Chance für die Stadt dar. Allerdings sind Konzepte und (Pilot-)Projekte aktuell überwie- gend technologiegeprägt. Eine Ursache dafür dürfte in der starken Rolle der Industrie im derzeit laufenden Prozess liegen, die hier zu Recht eine neue interessante Erwerbsquelle sieht. Umso mehr ist aber die Einbeziehung auch der gesellschaftlichen Komponente dringlich. Man muss es nicht so drastisch wie Hans Magnus Enzensberger formulieren, der vor einigen Wo- chen unter der Überschrift „Wehrt euch“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gesagt hat: „Smart sind nicht diese Geräte oder die sie benutzen, sondern die Sie uns anpreisen, um unermess- liche Reichtümer anzuhäufen und gewöhnliche Menschen zu kontrollieren.“ (FAZ v. 01.03.2014, S. 9) Sehr viel differenzierter (und ausführlicher) hat der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, unter der Überschrift „Warum wir jetzt kämpfen müssen“ eine Diskussion zu dem Thema angestoßen (FAZ v. 06.02.2014, S. 25). Im Zuge dieser Diskussion hat der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer SE, Matthias Döpfner, in einer Replik auf einen Artikel von Eric Schmidt, dem Chef von Google, ausgeführt: „Die Diskussion über die Macht von Google ist also keine Verschwö- rungstheorie von Ewiggestrigen. Sie [Eric Schmidt, d. Verf.] selbst sprechen von der neuen Macht der Macher, Eigentümer und Nutzer. Bei den Nutzern bin ich da langfristig nicht so sicher. Da folgt auf Macht schnell Ohnmacht. Und genau deshalb müssen wir diese Diskussion im Interesse eines langfristig gesunden Ökosystems der Digital-Ökonomie jetzt führen. Das betrifft den Wettbewerb, aber nicht nur den ökonomischen, sondern auch den politischen. Es betrifft unsere Werte, unser Menschenbild und unsere Gesellschaftsordnung weltweit und-aus unserer Perspektive-vor allem die Zukunft Europas.“ (FAZ v. 16.04.2014, S. 9) Vor diesem Hintergrund bedarf es auch und gerade in den Städten dringend einer kritischen Refle- xion, welche Elemente der digitalen Welt von der öffentlichen Hand gefördert werden und welche Elemente im Interesse von Werten, Menschenbild und Gesellschaftsordnung trotz technischer Mög- lichkeit und vielleicht auch positiven Effekten wie Effizienzsteigerung nicht zur Verwendung kommen sollten. DEMOGRAPHISCHER WANDEL Für die Bundesrepublik ist die Kurzcharakteristik des demographischen Wandel s: „weniger, älter, bunter“ schon fast zum „geflügelten Wort“ worden. Auf Ausführungen zum Thema „weniger“ wird hier verzichtet. Nach Datenlage ist es für die Stadt Wien auch bei einer längeren zeitlichen Perspektive nicht relevant. Das „älter“, also die Veränderung der Alterspyramide hin zu einem höheren Anteil älterer Menschen stellt für die Städte unabhängig davon, ob sie von Bevölkerungswachstum oder-rückgang geprägt sind, eine erhebliche Herausforderung dar. Wir haben die Aufgabe, die Stadt in all ihren Bestandteilen auch altersgerecht zu gestalten. Es geht also nicht nur um die Wohnung sondern auch um die Gewährleistung der Möglichkeit, aktiv am Le- ben in der Stadt teilzunehmen. Vordringlich ist dabei die Gewährleistung der Daseinsvorsorge mit dem Ziel, den älter werdenden Menschen möglichst lange das Verbleiben in der gewohnten Umge- bung zu ermöglichen. Hier gibt es direkte Interventionsmöglichkeiten wie zum Beispiel die barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raumes oder des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), aber auch indirekt wir-