WIEN WÄCHST 6 ARBEITERKAMMER WIEN kende Instrumente. Zum Beispiel gesamtstädtische Einzelhandelskonzepte, die eine wohnungsnahe Grundversorgung gewährleisten. Auch manche Elemente von „Smart City“ können diesbezüglich durchaus unterstützend wirken. Wir werden aber auch damit umgehen müssen, mindestens für die Bundesrepublik, dass ein höhe- rer Anteil der älteren Stadtbewohner nur über ein vergleichsweise geringes Einkommen verfügt. Auch vor diesem Hintergrund sind der Erhalt und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums also von Bedeutung. Wenigstens hingewiesen werden soll auf die noch offene Frage, inwieweit es gelingt, die steigenden Kosten des Gesundheitssystems auf Dauer zu finanzieren. Je nach Entwicklung könnte für die Städ- te daraus ein Handlungsfeld mit erheblichen neuen finanziellen Belastungen entstehen. Für die Städte in der Bundesrepublik ist angesichts der nach wie vor zu niedrigen „Reproduktionsra- te“ die Zuwanderung, vor allem der Zuzug aus dem Ausland, der ausschlaggebende Faktor für die Bevölkerungsentwicklung. Ein wesentliches konstituierendes Element der „europäischen Stadt“ war immer die Fähigkeit zur Integration von „Fremden“. Diese wiederum waren immer eine wichtige Ursache für die Bedeutung der Städte als „Innovationsmotor“. Für eine positive Entwicklung der Städte im 21. Jahrhundert wird es also auch wesentlich darauf ankommen, dass sie weiterhin in der Lage sind, diese Integrations- leistung zu vollbringen. Wichtige Voraussetzung für das Gelingen von „Integration“ ist „Bildung“. Neben den Fragen des „wie“ der Bildungsvermittlung beinhaltet diese Frage auch den Aspekt des „wo“ und beide Themen sind miteinander zu verknüpfen. Interessant sind in diesem Zusammenhang Pilotprojekte, wie sie zum Beispiel die Montag-Stiftung in der Bundesrepublik in einigen Städte, so in Köln, angestoßen hat, die zum Ziel haben, Kindertagesstätten und Schulen unterschiedlicher Art miteinander zu ver- netzen und sehr viel stärker als Element der Quartiersentwicklung zu begreifen und damit Stadtent- wicklung im räumlichen Sinne und Bildungslandschaft intensiv miteinander zu verknüpfen. GEFAHR DER SOZIALEN SEGREGATION Tendenzen zur Verschärfung der sozialen Segregation sind sowohl in „schrumpfenden“ als auch in wachsenden Städten zu beobachten. Die Entspannung der Wohnungsmarktsituation in Städten mit Bevölkerungsrückgang führt tendenziell zu stagnierenden oder sinkenden Mieten mit der Folge, dass Angehörige der Mittelschicht eine größere Wahlfreiheit im Hinblick auf die Wahl des Wohn- standortes haben. Damit erhalten Sie die Möglichkeit, Quartiere, in denen sie eine zu große Nähe zu sozial schwächeren Schichten empfinden, zu verlassen. In wachsenden Städten mit angespannten Wohnungsmarktverhältnissen und steigenden Mieten ist dagegen die Mittelschicht angesichts des begrenzt zur Verfügung stehenden Budgets für Kosten des Wohnens gezwungen, in Quartiere mit geringeren Mieten zu ziehen, mit der Konsequenz der Verdrängung sozial schwächerer Schichten. Diese Verdrängungstendenzen drohen die Integrationsfähigkeit der Städte, die diese, wie schon angesprochen, insbesondere seit der industriellen Revolution bewiesen haben, zu schwächen. Segregation völlig zu vermeiden ist kaum möglich. Die Diskussion über die Frage, inwieweit sie nicht sogar in einem gewissen Maße Merkmal von „Stadt“ ist, wird seit langem geführt, kann hier aber nicht weiter ausgeführt werden. In jedem Fall muss es aber Ziel sein, sie im vertretbaren Rahmen zu halten. Das wird nur durch eine entsprechende Einflussnahme von Staat und Stadt möglich sein. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Wohnungsversorgung. In der Bundesrepublik zeigt sich ge- rade, wie gut beraten die Städte waren, die trotz finanzieller Engpässe der Verlockung, ihre Woh-