WIEN WÄCHST 8 ARBEITERKAMMER WIEN Folge, dass sozial schwächere Gruppen im Meinungsbild unterrepräsentiert sind. Auch hier sind Stadtpolitik und Stadtverwaltung zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung gefordert. Die Rolle der Planung kann sich dabei nicht nur auf eine Moderatorenfunktion beschränken, wie es manchmal geäußert wird. Sie ist nach wie vor gefordert, ihr Fachwissen einzubringen und Entschei- dungsvorschläge zu formulieren. AUSBLICK Gerade die europäische Stadt, deren Charakterisierung durch Walter Siebel meines Erachtens nach wie vor zutreffend ist, nämlich die Prägung durch die Merkmale „Präsenz von Geschichte im Alltag des Städters, Stadt als wie immer utopisches Versprechen auf Emanzipation, Stadt als der beson- dere Ort einer urbanen Lebensweise, das überkommene Bild von der Gestalt der europäischen Stadt und schließlich ihre sozialstaatliche Regulierung“ 2 hat das Potenzial, den aktuellen und sich abzeichnenden Herausforderungen gewachsen zu sein. Dabei muss ihre Weiterentwicklung den Prinzipien der Nachhaltigkeit genügen. Hierzu bedarf es wie schon angesprochen integrierter Konzepte wie es auch die für Stadtentwicklung zuständigen Minis- ter Europas 2007 in der „Leipzig Charta“ festgestellt haben. Nur integrierte Konzepte, die tatsächlich alle wesentlichen Felder der Stadtentwicklung beinhalten, ermöglichen eine sachgerechte Abwä- gung der unterschiedlichen Belange und optimale Ressourcenverwendung. Dies gilt sowohl für ge- samtstädtische Konzepte als auch für die im Hinblick auf Umsetzung und Bürgereinbindung genau- so wichtigen Konzepte auf Quartiersebene. Die Einbindung der Bürger sowohl im Erarbeitungsprozess als auch bei der Umsetzung ist von zent- raler Bedeutung für Ihren Erfolg. Erforderlich sind weiterhin eine kontinuierliche Evaluation der Wirkungen von Konzepten und Maß- nahmen sowie die Entwicklung der Rahmenbedingungen und gegebenenfalls eine Konzeptweiter- entwicklung. Integrierte Stadtentwicklungskonzepte haben Prozesscharakter und sind kein stati- sches Instrument. Die Stadt hat also die Chance, auch in Zukunft eine bedeutsame Rolle als Kernelement einer ökolo- gisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen globalen Entwicklung zu übernehmen und mit ihrer Multi- funktionalität, sozialen Integrationskraft und Kreativität die gesellschaftliche Entwicklung positiv zu beeinflussen. 2 Siebel, Walter : Strukturwandel der europäischen Stadt in : 100% Stadt, Der Abschied vom Nicht- Städtischen, S.15; Haus der Architektur Graz, Austria, Graz 2003