WIEN WÄCHST ARBEITERKAMMER WIEN 13 schen 1995 und 2013 in Wien (von 24% auf 15% aller Haushalte). Dieser Trend ist in den letzten Jahren österreichweit festzustellen. Mit Blick auf die internationale Forschung ist dies bemerkens- wert, da sich sonst kein anderes europäisches Land mit einem ähnlichen Rückgang der Doppeler- nährerhaushalte finden lässt (vgl. Berghammer/Verwiebe 2014). Welche anderen prägnanten Entwicklungen lassen sich für Wien festmachen? Steht der Rückgang der Doppelernährerhaushalte in einem Zusammenhang mit einer sich verschlechternden Kinderbe- treuung? Dafür können in einem ersten Schritt die Informationen in Abbildung 1 betrachtet werden. Hier zeigt sich, dass der Anteil an Haushalten mit Kindern, der externe Kinderbetreuungseinrichtun- gen nutzt, zwischen 1995 und 2013 stark zugenommen hat. Während 1995 rund 46 Prozent der Haushalte mit unter sechs-jährigen Kindern eine Kinderkrippe oder einen Kindergarten in Anspruch nahmen, sind es 2013 etwa 74 Prozent. 4 Bei den Kindern zwischen drei und fünf Jahren übersteigt der Anteil der Betreuungseinrichtung nutzenden Haushalte bereits seit 2008 die 90-Prozent-Marke (nicht separat in Abbildung 1 ausgewiesen). Externe Kinderbetreuung bei Kindern unter sechs Jahren nach Haushalten (in %) Quelle: LIW (1995), LLQW (2003), SOWI (2008), SOWI II (2013). Anmerkung: Die Abbildung zeigt die jeweiligen Anteile der Haushalte mit Kindern unter sechs Jahren, bei denen zumindest ein Kind in externer Betreuung in einer Kinderkrip- pe/Kindergarten befindet, an den Haushalten mit Kindern unter sechs Jahren insgesamt (siehe Fußnote 4). Dieser Befund steht in Einklang mit der Kindertagesheimstatistik der Statistik Austria. Dieser Statis- tik zufolge stiegen die Betreuungsquoten in Wien zwischen 1995 und 2012 bei den unter drei- jährigen Kindern von 17 auf 35 Prozent und bei den drei bis fünf-jährigen Kindern von 76 auf 88 Prozent (Statistik Austria 2013a). Bei der Betreuung von sechs bis neun-jährigen Kindern in Wien liegt die Quote, laut Statistik Austria, im Jahr 2012 in etwa auf dem Niveau von 1995 (26 Prozent). Der Vergleich zwischen den Bundesländern zeigt im Übrigen, dass Wien in den letzten 20 Jahren im innerösterreichischen Vergleich stets hohe Betreuungsquoten aufwies, vor allem bei den unter drei- jährigen Kindern. An der Spitzenposition Wiens hat sich mit Bezug auf die Kinderbetreuung in den letzten Jahr also wenig geändert (Statistik Austria 2013a), darauf kann der Rückgang bei den Dop- pelernährerhaushalten nicht zurückgeführt werden. Nicht nur die prinzipielle Verfügbarkeit, sondern auch die Qualität der Kinderbetreuungseinrichtun- gen ist für die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeutend. Dazu kann im Folgenden auf die Einschätzung der Betreuungsangebote durch die im Rahmen der SOWI II-Studie befragten Wienerinnen und Wiener eingegangen werden. Diese beurteilen das Angebot an Kinderbetreuungs- 4 Die Erfassung der Betreuung der Kinder unter sechs Jahren bezieht 1995 und 2003 nur Kinderkrippen und Kindergärten mit ein. In den Erhebungen 2008 und 2013 werden zusätzlich aber auch Tagesmütter erfasst. 20 30 40 50 60 70 80 2013 (N = 550) 2008 (N = 70 ) 2003 (N = 840) 1995 (N = 1.154)