WIEN WÄCHST ARBEITERKAMMER WIEN 21 SCHLUSSBEMERKUNG Dieser Beitrag hat mithilfe der Daten SOWI II-Studie die Vereinbarkeit von Beruf und Familien in Wien diskutiert. Dazu wurden Trendanalysen für einen Zeitraum zwischen 1995 und 2013 vorge- stellt, mit denen die Haushaltserwerbsbeteiligung von Familien mit Kindern sowie die Verfügbarkeit und Qualität von Kinderbetreuungseinrichtungen diskutiert wurden. In einem zweiten Schritt wurde mit vertiefenden Strukturanalysen die Aufteilung der Hausarbeit und Familienarbeit zwischen Män- nern und Frauen näher untersucht. Man kann die vorgestellten Befunde in folgender Weise zusammenfassen: 1. In Wien lässt sich innerhalb der letzten 20 Jahre ein relativ deutlicher Rückgang der Doppeler- nährerhaushalte beobachten. Dies entspricht dem österreichweiten Trend, stellt jedoch im euro- päischen Kontext eine nahezu einzigartige Entwicklung dar. 2. Die Verfügbarkeit externer Kinderbetreuung hat sich deutlich verbessert und immer mehr Wiener Eltern nutzen auch diese Angebote. Die Qualität der Kinderbetreuungseinrichtungen wird von den Eltern mit Kindern sehr positiv eingeschätzt. 3. Zwischen Männern und Frauen existieren substantielle Differenzen bei der Aufteilung der Haus- arbeits- und Kinderbetreuungsarbeit, zuungunsten der Frauen in Wien. Diese Differenzen zeigen sich – und das ist relevant – auch wenn man für den Einfluss einer Vielzahl weiterer Kategorien in den vorgenommenen statistischen Analysen kontrolliert. 4. Für die Aufteilung der Haushalts- und Kinderbetreuungsarbeit sind eine ganze Reihe von Fakto- ren verantwortlich, neben der Haushaltsgröße, dem Alter/der Betreuungssituation der Kinder und der religiösen Orientierung ist dies vor allem die Erwerbsorientierung der Paare mit Kindern. Abschließend lässt sich folgende These formulieren: Auch im Jahr 2013 dominiert das männliche Ernährermodell in Wien, trotz deutlicher werdender Veränderungen des Erwerbsverhaltens von Frauen. Dem anfangs geschilderten „geschlechtergerechten Ideal einer gleichen Aufteilung von Erwerbstätigkeit und Haushaltsaufgaben“ (Gornick/Meyers 2008) kommen in Wien die Haushalte nahe, in denen Frauen einer Vollzeittätigkeit nachgehen, in denen das jüngste Kind im Alter von bis zu 2 Jahren extern betreut bzw. in denen drei- bis fünf-jährige Kinder nicht extern betreut werden, in denen eine katholische Religionsorientierung oder kein Religionsbekenntnis vorherrscht und die eine mittlere/geringe Haushaltsgröße aufweisen.