WIEN WÄCHST 68 ARBEITERKAMMER WIEN BARBARA HERZOG-PUNZENBERGER / MICHAEL BRUNEFORTH: BILDUNG UND SCHULE IN DER WACHSENDEN STADT Barbara Herzog-Punzenberger ist Leiterin des Forschungsprogramms Mehrsprachigkeit, Interkulturalität und Mobilität am Bundesinsti- tut Bildungsforschung, Innovation und Ent- wicklung Michael Bruneforth ist stellvertretender Leiter des Departments Evaluation, Bildungsfor- schung und Berichterstattung am Bundesin- stitut Bildungsforschung, Innovation und Ent- wicklung Bei der Tagung „Wien wächst“ war Bildung eines der vier Themen, die in der aktuellen Situation der starken Dynamik, insbesondere des überraschend starken (Netto)Zuzugs, der sich die städtische Infrastruktur, Verwaltung, Politik in ihrer Steuerungsaufgabe gegenüber sieht, betrachtet werden sollte. Über Bildung in Wien zu reden und zu schreiben, bedeutet über Urban Education, also Bil- dung im Kontext der Großstadt zu reflektieren. Das bedeutet vor allem Dichte – Dichte an Bevölke- rung und Dichte an Infrastruktur. Daraus resultiert höhere Diversität (ganz sicher), Anonymität, Seg- regation (vielleicht), stärkerer Wettbewerb, größere Wahlmöglichkeiten (nicht für alle), größere Fle- xibilität und Durchlässigkeit (hoffentlich). Eine Vielzahl an Themen also, die es lohnen würde in der Vergangenheit und Gegenwart Wiens zu analysieren und daraus Schlüsse für eine unmittelbare Zukunft unter der Annahme bedeutender Nettozuzugsraten zu ziehen. Dieser Aufgabe müsste man sich in einem eigenen Forschungsprojekt widmen. Als MitarbeiterInnen des österreichischen Bundesinstituts für Bildungsforschung, das vor allem mit den Kompetenzmessungen der SchülerInnen beschäftigt ist, können wir für diesen adhoc-Beitrag nur aus unseren existierenden Analysen schöpfen und sie unter dem Blickwinkel des Bundeslandes Wien betrachten. Was unsere Arbeiten allerdings mit der international etablierten Forschungstraditi- on der Urban education verbindet, ist das Thema „equity“ – Chancengerechtigkeit. Dies ist daher auch der Schwerpunkt unseres Beitrags und zwar in einer intersektionalen Analyse, in der wir je- weils die Kategorien der sozialen und migrantischen Herkunft betrachten, und Bildungsteilnahme und gemessenen Kompetenzen unter diesem Blickwinkel analysieren. Abschließend wird ein Blick auf die Werte zum Wohlbefinden der Wiener SchülerInnen geworfen. INFRASTRUKTURELLE DICHTE UND BILDUNGSTEILNAHME IN DER SEKUNDARSTUFE 1 Wie immer wieder berichtet, ist Österreich durch vergleichsweise große Stadt-Land Unterschiede hinsichtlich der Bildungslaufbahnen gekennzeichnet (Wisbauer 2007, Vogtenhuber et al 2012, 65,