WIEN WÄCHST ARBEITERKAMMER WIEN 69 71). Eine wesentliche Entscheidung in der Bildungslaufbahn ist die Frage, ob ein Kind nach der Volksschule ins Gymnasium oder eine Hauptschule/Neue Mittelschule wechselt. Die AHS-Quote ist im Bundesländervergleich im Bundesland Wien besonders hoch. Was steht hinter dieser Quote und wie ist der Trend? Im Bundesdurchschnitt besuchen ein Drittel der SchülerInnen der Sekundarstufe 1 eine Allgemeinbildende höhere Schule. Dieser Anteil verändert sich aber ständig - der allgemeine Trend zum Gymnasium hält über Jahre und Jahrzehnte an. Allerdings sind deutliche Unterschiede nach Herkunftsgruppen zu beobachten - sowohl was die Zuwachsraten als auch das jeweilige Aus- gangsniveau betrifft. Veränderung der Teilnahme an unterschiedlichen Schulformen der Sekundarstufe I, nach Sprachgruppen im Zeitvergleich, Österreich. Schuljahr Hauptschule inkl. NMS Sonderschule AHS-Unterstufe Summe Einsprachig deutschsprachige Schüler/innen 2006/07 209.585 6.582 102.283 318.450 66 % 2 % 32 % 100 % 2010/11 176.826 6.437 94.673 277.936 64 % 2 % 34 % 100 % Mehrsprachig Bosnisch/Kroatisch-/Serbisch-sprachige Schüler/innen 2006/07 16.832 808 5.079 22.749 74 % 4 % 22 % 100 % 2010/11 16.366 804 6.157 23.227 70 % 3 % 26 % 100 % Mehrsprachig türkischsprachige Schüler/innen 2006/07 15.789 973 2.093 18.855 84 % 5 % 11 % 100 % 2010/11 15.123 939 2.638 18.700 81 % 5 % 14 % 100 % Quelle: Herzog-Punzenberger & Schnell (2012, 246). Daten: Statistik Austria, Bildungsdokumentation. Eigene Berechnungen. NMS = Neue Mittelschule. Gerade beim ersten Selektionsprozess rund um das 10. Lebensjahr eines Kindes, bei dem Schüle- rInnen, Eltern und LehrerInnen zwischen der Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule und der gymna- sialen Unterstufe entscheiden müssen, ist neben den festgestellten Leistungen und den vermuteten Talenten die Entfernung und Erreichbarkeit eines Schulstandorts von großer Bedeutung aber auch der Verbleib im Sozialraum selbst. Nachdem in der Großstadt Wien die selbständige Erreichbarkeit für alle Kinder durch 78 AHS-Standorte (Schreiner/Breit 2014, S.12) sowie ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz prinzipiell gegeben ist, ist die Wahrscheinlichkeit der Wahl einer AHS von Seiten der Familien höher als im ländlichen Raum, insbesondere in entlegenen Gebieten, wo der