WIEN WÄCHST 70 ARBEITERKAMMER WIEN Anfahrtsweg ungleich aufwendiger ist 1 . So ist es nicht verwunderlich, dass in der Großstadt Wien der Anteil der SchülerInnen in der AHS-Unterstufe höher ist als in den ländlichen Gebieten. Der Übergang von der Volksschule in die Sekundarstufe 1 ist aber nicht nur eine Wahlentscheidung der Familien sondern in der Schulstruktur als Ausleseprozess verankert. Es ginge darum, unterschiedli- che Talente optimal zu fördern. Dies würde, so die vielfach vertretene Überzeugung, durch leis- tungshomogene Klassen besser möglich sein als durch gemischte Klassen. Daher war und ist das österreichische Schulsystem an einer Selektionslogik orientiert, in der die Kinder möglichst früh ent- sprechend aussortiert werden sollten. Ist das Ergebnis dieses Auslese- und Zuteilungsprozesses am Ende der Volksschule im Bundesland Wien nun vergleichbar mit dem anderer Bundesländer? NICHT NUR WIEN IST ANDERS, GROßE STÄDTE SIND ANDERS Aus der untenstehenden Abbildung 1 wird ersichtlich, dass in Wien 2012/13 etwa die Hälfte der SchülerInnen der 5. bis 8. Schulstufe (ca. 10- bis 14-Jährige) eine AHS besuchten und etwas weni- ger eine Hauptschule oder Neue Mittelschule. 2 Vergleicht man die Bildungsteilnahme in der Sekun- darstufe der Allgemeinen Pflichtschulen ohne Sonderschulen 3 bzw. der AHS-Unterstufe zwischen Wien und Linz (ca. 200.000 EinwohnerInnen), so sieht die Verteilung sehr ähnlich aus. Mit 56% besuchen noch mehr SchülerInnen ein Gymnasium und 44% eine Hauptschule/NMS. Ganz anders sieht das Muster im Bundesland Oberösterreich aus, wird die Hauptstadt Linz ausgenommen. Au- ßerhalb von Linz besuchen nur 21% der Teenager ein Gymnasium und nahezu 80% eine Haupt- schule bzw. NMS. 1 Diesem Problem wurde früher zum Teil über das Internatswesen begegnet, das sich immer geringerer Beliebtheit erfreut. 2 Knapp unter 2% besuchten eine Sonderschule, geringfügig mehr SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchten integrativ geführte Hauptschulen oder Neue Mittelschulen (1,9% zu 2,5% im Schuljahr 2010/11 vgl. Vogtenhuber et al 2012, 87). 3 Da für Linz die Schülerzahlen der Sonderschule nicht für die 5. bis 8. getrennt vorliegen, wird die Anzahl der Sonderschüler für diesen Vergleich nicht eingeschlossen.