WIEN WÄCHST 76 ARBEITERKAMMER WIEN fe (Haupstschule/NMS und AHS). Vergleicht man die Segregationswerte der Primarstufe (Volks- schule) und der Sekundarstufe, so fällt auf, dass sich die Werte in der Sekundarstufe verschlech- tern. Allerdings muss man betonen, dass das Grundmuster ähnlich bleibt, sich aber die Werte in zwei der vier Kategorien wesentlich ändern. Der Anteil der hoch belasteten Schulen halbiert sich von 18% auf 9% und der Anteil der gering belasteten steigt (dadurch?) von 28% auf 35%. Gleichzeitig vergrößert sich der Anteil, der sehr hoch belasteten Schulen nur geringfügig um 3% und verringert sich der Anteil der mittel belasteten um 2%. Soziale Segregation zwischen Schulen (4. und 8. Schulstufe) Quelle: Schreiner/Breit 2014a,b. Wie zu erwarten zeigt sich auch im Volksschulbereich die Wohnraumsegregation. Dies ist aus pragmatischen Gründen nachvollziehbar, da anzunehmen ist, dass jüngeren Kindern weniger zu- gemutet wird, weitere Schulwege zurückzulegen als älteren Kindern. Eine über Jahrzehnte kleine, wenn auch einige Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt liegende Rolle, spielt hier auch das Privatschulwesen. Zurückverfolgt bis zum Schuljahr 1985/86 besuchen zwischen 15% und 17% eine private Volksschule - 2012 waren es 16% (Quelle Statistik Austria, data cube. Eigene Berech- nungen). 13% sind es in der Schultype Hauptschule/NMS und zwischen 14% und 17% in der Schul- type AHS (Quelle siehe oben), d.h. der Besuch von weiter entfernt liegenden Schulstandorten vari- iert weder zwischen den Lebensaltern der Kinder noch zwischen den Schultypen. Daraus ist zu schließen, dass jene Eltern, die es sich zeitlich und finanziell leisten können bzw. die sich positive Auswirkungen vom Privatschulbesuch erhoffen, auch ihre noch jungen Kinder dorthin bringen bzw. begleiten. Die Frage der Privatschulen wird oft verknüpft mit der Feststellung von Eltern, dass hier weniger „Ausländerkinder“ zu finden wären. Es besteht der Eindruck, dass einerseits die Schulen und damit Schulleitungen und LehrerInnen nicht in geeigneter Weise mit der großen Vielfalt der SchülerInnen und Eltern umgehen könnten bzw. die notwendigen Unterstützungssysteme nicht genügend ausge- baut wären. Die Anzahl der mehrsprachigen SchülerInnen hat sich zwischen dem Jahr 2000 und 2012 von 57.000 auf 97.000 fast verdoppelt und in manchen Bezirken – dem 5., 20., 15. und 16. Bezirk - hat das dazu geführt, dass zwischen 80% und 90% der Volkschüler/innen mehrsprachig sind. Es sind derzeit in den volkschulen 55% der Kinder mehrsprachig, d.h. sie sprechen zuhause auch eine andere Familiensprache als Deutsch. Mehr als die Hälfte entfallen auf die beiden großen Sprachgruppen Bosnisch-Kroatisch-Serbisch und Türkisch und der Rest auf über 100 andere Spra- chen, darunter ein größerer Teil auf diverse osteuropäische Sprachgruppen. Wie man allerdings am gleichbleibenden Anteil an SchülerInnen in Privatschulen sehen kann, gibt es in Wien keine „Flucht in die Privatschulen“. Welche Herkunftsgruppen sind nun in den Schulen zu finden, welche Sprachen werden gespro- chen? Abbildung 7 zeigt die Anteile der Sprachgruppen, insbesondere der beiden großen, in den