WIEN WÄCHST 88 ARBEITERKAMMER WIEN Angesichts dieser doch unerwartet großen Zuwächse an SchülerInnen, stellt sich die Frage: Werden alle SchülerInnen Platz finden? Für den Pflichtschulbereich erscheint die Antwort vergleichsweise einfach: im Pflichtschulbereich herrscht – wie der Name sagt – Schulpflicht. Es muss und wird der Stadt Wien gelingen für alle schulpflichtigen Kinder einen Schulplatz zu organisieren. Inwieweit dann allerdings die Qualität des Schulplatzes unter der Knappheit der Plätze zu leiden haben wird, hängt davon ab, wie viele finanzielle Ressourcen Wien für die Schulplätze ausgeben wird und davon, ob genügend qualitativ genügender Platz aufgetrieben werden kann. Von Kleinst- schulzuständen wie in manchen Bundesländern geradezu gängig (siehe etwa das Burgenland wo ein Drittel der VolksschülerInnen in Schulen unter 25 SchülerInnen geht), kann Wien jedenfalls nur träumen. Viele bildungswissenschaftliche Studien (siehe etwa Wössmann 2006; Altrichter/Sommerauer 2007) weisen nach, dass die KlassenschülerInnenzahl für die Qualität des Unterrichts und des Lernens nur marginale Bedeutung hat. Die Gestaltung des Lernraums allerdings ist jedenfalls bedeutend und auch, ob Eltern sich mit Ausweichquartieren zufrieden geben werden. Der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen wie wir ihn an der Nachfrage nach Schulplätzen an höheren Schulen ablesen können, ist jedenfalls positiv. Was Wiens Schulen jedenfalls brauchen werden, ist eine politische Kooperation mit Niederösterreich und da speziell den Umlandgemeinden. Nur eine bundesländerübergreifende Zusammenarbeit kann die Platz- und Qualitätsanforderungen zufriedenstellend lösen. WAS WIEN PLANT UND TUT Wien ist überdies nicht untätig. Zwischen 2008 und 2017 ist bereits ein umfassendes Schulsanie- rungprogramm im Gang. Im Zuge dessen werden laut Angaben der Stadt Wien an 242 Pflichtschu- len neben rein baulicher Sanierung auch schulische Tagesbetreung geschaffen; neue Klassen ein- gerichtet etc. Im Jahr 2014 etwa werden fünf Wiener Schulen durch Zubau erweitert , 2015 weitere drei Schulen. Das Schulinvestitionsprogramm für Bundesschulen investiert 278 Mio € für 5.900 zu- sätzliche Schulplätze an AHS- Unter- und Oberstufe sowie an Berufsbildenden Höheren Schulen. 10 Schulneubauten, 12 Erweiterungen an AHS, BHS … demonstrieren auch die erweiterten Aktivitäten des Bundes. Im Zuge des Neubauprogramms an Bildungseinrichtungen 2012 bis 2023 werden elf neue sogenannte „Campusmodelle“ in Wien - zB am Hauptbahnhof, am Nordbahnhof - eingerichtet werden. Campusschulen gelten als vorbildlich, was Schulqualität betrifft und werden in der Wiener Schulentwicklung positive Beispiele entwickeln. Kritisch anzumerken ist allerdings, dass die Bundesschulinitiative in Wien im Vergleich zu anderen Bundesländern wie etwa Oberösterreich bescheiden ankommt. Bei insgesamt sinkender SchülerIn- nenzahl in Oberösterreich werden dort 9 Neubauten und 19 Schulerweiterungen an Bundesschulen vorgenommen. Abschätzung – Bedarf für die nächsten 10 Jahre: ? Zusätzlich ca 7.000 VolksschülerInnen ? Zusätzlich ca 1.000 HS/NMS SchülerInnen ? Zusätzlich ca 10.000 Kindergartenplätze ? Zusätzlich ca 3.700 AHS-Unterstufe ? Zusätzlich ca 2.200 AHS-Oberstufe und BHS ? In Summe ca 24.000 Plätze