WIEN WÄCHST 114 ARBEITERKAMMER WIEN MICHAEL GETZNER: ZUR FINANZIERUNG EINER WACHSENDEN STADT – FISKALISCHE WIRKUNGEN DER STADTERWEITERUNG Michael Getzner 1 leitet den Fachbereich Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik im Department für Raumplanung der Technischen Universität Wien EINLEITUNG Wachsende wie auch schrumpfende Städte und Regionen sehen sich, neben sozialen und ökologi- schen Problemen, vor allem mit ökonomischen Problemen konfrontiert, die sich aus Veränderungen der Nachfrage nach Infrastrukturleistungen ergeben. Während ein gradueller, d.h. langsamer, Wan- del leichter bewältigbar scheint, können bei raschen Wachstums- und Schrumpfungsprozessen die vorhandenen Infrastrukturen (insbesondere Ver- und Entsorgung, Verkehrswege, öffentliche Einrich- tungen wie Schulen, Gesundheits- und Kultureinrichtungen) häufig nicht in der gleichen Geschwin- digkeit angepasst werden. Bei raschen Schrumpfungsprozessen ergeben sich die Anpassungsprobleme hinsichtlich der vor- handenen Infrastrukturen vor allem durch ? die geringere Effizienz der vorhandenen Anlagen, ? die fehlenden (rückläufigen) Einnahmen, wodurch Mittel für den Rückbau der Infrastrukturen fehlen, ? die Veränderungen der Nachfrage nach bestimmten Infrastrukturleistungen (Daseinsvorsorge), beispielsweise bei veränderter Bevölkerungsstruktur (Überalterung mit zukünftig absehbarem größerem Bedarf an kommunalen Pflege- und Gesundheitsleistungen). Probleme mit der Anpassungsgeschwindigkeit der vorhandenen Infrastrukturen bei Schrumpfungs- prozessen ergeben sich aus ökonomischer Sicht vor allem dadurch, dass einerseits die Investitions- kosten in klassische Ver- und Entsorgungsnetze im Vergleich zu den Betriebskosten relativ hoch 1 Johann Bröthaler und Gerlinde Gutheil-Knopp-Kirchwald, ebenfalls am Fachbereich Finanzwissenschaft und Infrastrukturpo- litik im Department für Raumplanung der Technischen Universität Wien tätig, sind Co-AutorInnen dieses Artikels.