WIEN WÄCHST ARBEITERKAMMER WIEN 119 hängt hier zum einen von den funktionsspezifischen Netto-Lasten der Stadterweiterung (z.B. Aus- maß der Nutzerfinanzierung über Gebühren) ab und zum anderen davon, inwieweit das Stadtwachs- tum auch zu entsprechend erhöhten Steuereinnahmen (eigene Abgaben und Einnahmen aus dem Finanzausgleich) führt. Die Finanzierbarkeit des Stadtwachstums wird damit sowohl durch die planerische Gestaltung (z.B. Einwohnerdichte, Infrastrukturbedarf, Verhältnis Einwohner zu Arbeitsplätzen in Stadterweiterungs- gebieten) als auch finanzpolitische Entwicklungen (Gebührenpolitik, Steuerpolitik, Finanzausgleich- spolitik) und wirtschaftlichen Entwicklungen (Konjunktur, lokale Multiplikatoreffekte) maßgeblich bestimmt. FINANZIERUNG UND WACHSTUM DER STADT WIEN Die Stadt Wien ist im letzten Jahrzehnt durch eine überdurchschnittliche Dynamik gekennzeichnet. Die jährlichen Wachstumsraten der Bevölkerung lagen im Vergleich mit dem österreichischen Durchschnitt in Wien deutlich höher (Abbildung 3). 2 Die Rate des Wirtschaftswachstums (Brutto- Regionalprodukt Wiens) lag in der vergangenen Dekade im österreichweiten Durchschnitt (Bruttoin- landsprodukt) mit stärkeren Rückgängen im Jahr 2003 und im Jahr 2009 infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise, jedoch deutlich über der Rate des Bevölkerungswachstums. Abbildung 3: Jährliche Wachstumsraten der Wirtschaft und der Bevölkerung Wiens (in %, 2001 bis 2011) im Vergleich zu den durchschnittlichen Wachstumsraten Österreichs Quelle: Statistik Austria (2014); eigene Berechnungen (2014). Der laufende Selbstfinanzierungsspielraum stellt wie erwähnt einen zentralen Indikator für die Fi- nanzierbarkeit des Stadtwachstums dar. Abbildung 4 zeigt die Entwicklung des Saldos der laufen- den Gebarung und der Freien Finanzspitze (Saldo der laufenden Gebarung abzüglich Schuldentil- 2 Für die nächsten 10 bis 20 Jahre wird gemäß der Bevölkerungsprognose 2013 der Statistik Austria (2014) für Wien eben- falls eine überdurchschnittliche Bevölkerungswachstumsrate von 0,7–0,8 % p.a. im Vergleich zu österreichweit 0,3–0,4 % p.a. erwartet. -5,00% -4,00% -3,00% -2,00% -1,00% 0,00% 1,00% 2,00% 3,00% 4,00% 5,00% 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Jäh rlic he W ach stu ms rat e ( Bru tto -Re gio na lpr od uk t [r ea l] b zw . E inw oh ne r/i nn en ) Wachstumsrate Einwohner/innen (AT) Wachstumsrate Einwohner/innen (Wien) Wachstumsrate BIP (AT) Wachstumsrate BRP (Wien) Durchschnitt, 2001-2011 Wachstumsrate Einwohner/innen (AT) 0.40% achstu srate Einwohner/innen (Wien) 0.88% Wachstumsrate BIP (AT) 1.64% achstu srate BRP (Wien) 1.40%