WIEN WÄCHST ARBEITERKAMMER WIEN 129 TOBIAS SCHWEITZER: SPIELRAUM FÜR DIE NOTWENDIGEN INVESTITIONEN? Tobias Schweitzer ist Mitarbeiter der Abteilung Wirtschaftswissenschaft der AK-Wien und Experte für Finanzwissenschaft Wien steht vor der Herausforderung seine Infrastruktur an die Bedürfnisse der steigenden Bevölke- rung und der veränderten Wirtschaftsstruktur anzupassen. Die Stadt ist im letzten Jahrzehnt bevöl- kerungsmäßig stark gewachsen, dieses Wachstum wird sich auch in den kommenden Jahren un- verändert weiterhin fortsetzen. Wiens Attraktivität sowohl als Standort für die Wirtschaft als auch für die Menschen als Wohnort hängt wesentlich von einer ausgebauten und funktionierenden Infrastruk- tur ab. Allein um den jetzigen Standard zu halten, ist die Schaffung neuer Wohnungen, Verkehrs- und Bildungseinrichtungen sowie Spitäler und Pflegeeinrichtungen in den nächsten Jahren nötig. Von diesen Investitionen profitieren nicht nur die heutigen EinwohnerInnen und die Wirtschaft unmit- telbar, sondern auch die kommenden Generationen und der Wirtschaftsstandort nachhaltig. Dafür ist es aber notwendig, dass Wien einerseits gemeinsam mit anderen Städten auf politischer Ebene national und international für investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen kämpft, und anderer- seits alle bestehenden und zu schaffenden finanziellen Spielräume für Investitionen nutzt. GUTE AUSGANGSLAGE, EINENGENDE FISKALVORGABEN Im österreichischen Vergleich mit anderen Städten und Bundesländern steht Wien finanziell eigent- lich recht gut da. Der Schuldenstand ist geringer, die BewohnerInnen sind wohlhabender und die Stadt hat große Vermögenswerte. Manches davon ist hausgemacht, manches historisch gewach- sen. Die Zurückhaltung bei Privatisierung oder beim Forderungsverkauf aus der Wohnbauförderung war jedenfalls eine politische Entscheidung, die zu begrüßen ist. Bei den Schulden hat Wien als Gemeinde und als Bundesland im Vergleich mit anderen Regionen immer noch eine gute Position. Auch wenn der Schuldenstand pro Kopf inzwischen der fünfhöchste ist, hat Wien in Hinblick auf die regionale Wirtschaftskraft, der wohl relevantere Indikator, mit 5,4 Prozent die zweitniedrigste Verschuldung gemeinsam mit Vorarlberg hinter Tirol. Der Spielraum wird allerdings geringer, da in Wien aktiv gegen die Krise gesteuert wurde. So näherte man sich in den vergangenen Jahren dem österreichischen Verschuldungsdurchschnitt von 8,4 Prozent immer wei- ter an.