18 / 88 Kommerzielle Digitale Überwachung im Alltag | Studie im Auftrag der österreichischen Bundesarbeitskammer | 2014 Es handelt sich dabei ausschließlich um sogenannte Metadaten40, nicht etwa um Kommunikati- onsinhalte. Durch statistische Regressionsanalyse konnten folgende Zusammenhänge zwi- schen Smartphone-Metadaten und Charaktereigenschaften festgestellt werden (anstatt „Neurotizismus“ wurde umgekehrt „emotionale Stabilität“ verwendet): Smartphone-Nutzung Emotionale Stabilität Extraversion Offenheit für Neues Gewissen- haftigkeit Soziale Verträglichkeit Häufigere App- Nutzung von: Office - 0,23 - 0,26 - 0,18 Kalender - 0,16 - 0,18 - 0,18 Internet - 0,26 - 0,15 Kamera - 0,15 Video/Audio/Music -0,18 Höhere Anzahl eingehender Anrufe - 0,15 0,13 Längere Dauer eingehender Anrufe 0,18 0,12 Mehr versäumte Anrufe - 0,12 Höhere Anzahl angerufener Kontakte 0,17 Höhere Anzahl von SMS-EmpfängerInnen - 0,13 - 0,13 Höhere durchschnittliche Wortlänge gesendeter SMS 0,14 - 0,15 Tabelle 4: Korrelationskoeffizienten r für Zusammenhänge zwischen Smartphone-Nutzung und Charaktereigenschaf- ten mit p < 0,01. Quelle: Chittaranjan et al, 2011. Die Tabelle zeigt, wie sich aus verschiedenen Smartphone-Nutzungsdaten wie etwa der Anzahl von Anrufen oder SMS mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auf bestimmte Charaktereigen- schaften schließen lässt. Beispielsweise wurde festgestellt, dass bei häufigerer Nutzung der „Office“-App die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass die entsprechende NutzerIn weniger emotio- nal stabil (r=0,23), weniger offen (r=0,26) und weniger sozial verträglich (r=0,18) ist. Bei Korrela- tionskoeffizienten < 0,5 sind die Zusammenhänge zwar schwach ausgeprägt, aber doch vorhan- den. Außerdem wurde ein „Machine Learning“-Modell zur automatisierten Klassifikation von Nut- zerInnen auf Basis ihrer Smartphone-Metadaten entwickelt. In Summe konnte mit relativ hoher Zuverlässigkeit rein aus Smartphone-Metadaten prognostiziert werden, ob die fünf Charakterei- genschaften bei einer Person höher oder niedriger ausgeprägt sind: Ist untenstehende Eigenschaft a) höher oder b) niedriger ausgeprägt? Baseline Prognosezuverlässigkeit Emotionale Stabilität 52,2 % 71,5 % Extraversion 58,6 % 75,9 % Offenheit 59,0 % 69,3 % Gewissenhaftigkeit 62,2 % 74,5 % Verträglichkeit 58,4 % 69,6 % Tabelle 5: Prognose von Charaktereigenschaften aus Smartphone-Metadaten. Quelle: Chittaranjan et al, 2011. Rein aus Smartphone-Metadaten konnte mit einer Zuverlässigkeit von 70 bis 75% auf den Charakter der analysierten Personen geschlossen werden. Der Wert in der Spalte „Baseline“ 40 http://de.wikipedia.org/wiki/Metadaten Smartphone- Nutzung und Charakter Mangelnde emo- tionale Stabili- tät? NutzerInnen einschätzen Gute Prognose- zuverlässigkeit