77 / 88 Kommerzielle Digitale Überwachung im Alltag | Studie im Auftrag der österreichischen Bundesarbeitskammer | 2014 Kurzfassung Durch die rasante Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien dringt die Erfassung persönlicher Daten und immer mehr in den Alltag ein. Unsere Vorlieben und Ab- neigungen werden heute in einem Ausmaß digital gespeichert, verarbeitet und verwertet, das bis vor wenigen Jahren undenkbar war. Einzelne Personen werden über Geräte und Plattformen hinweg wiedererkannt, deren Verhalten und Bewegungen detailliert ausgewertet, Persönlich- keit und Interessen akribisch analysiert. Immer mehr Geräte sind heute mit Sensoren ausge- stattet, mit dem Internet verbunden und ermöglichen so umfassende Einblicke in unser Leben. Gleichzeitig lassen sich im Zeitalter von Big Data mit automatisierten Methoden schon aus ru- dimentären Metadaten über Kommunikations- und Online-Verhalten umfangreiche Persönlich- keitsprofile erstellen. Aufstrebende Firmen in den Feldern soziale Netzwerke, Online-Werbung, mobile Apps oder Fitness arbeiten mit Hochdruck an Geschäftsmodellen, die auf der kommer- ziellen Verwertung der gesammelten Profile beruhen. Internationale Unternehmen agieren da- bei teils unter Missachtung regionaler Datenschutzgesetze, oft gilt die Devise: Gemacht wird, was technisch möglich ist - und angenommen wird. In vielen Wirtschaftssektoren von Marketing und Handel bis Versicherungs-, Finanz- und Personalwirtschaft herrscht Goldgräberstim- mung – und gleichzeitig die Angst, den Anschluss zu verlieren. Während die Einzelnen immer transparenter werden, agieren viele Unternehmen hochgradig intransparent – deren Services, Apps, Plattformen und Algorithmen sind zentralisiert und kaum durchschaubar. Darüber hinaus haben nicht nur die Enthüllungen von Edward Snowden gezeigt, dass auch staatliche Behör- den und Geheimdienste gern auf die gesammelten Daten zugreifen. Die Privatsphäre ist heute gleichermaßen durch Unternehmen wie auch durch staatliche Behörden bedroht. Die Studie zielte darauf ab, anhand von ausgewählten Problemfeldern und Beispielen einen Überblick über internationale Trends in der zunehmenden Erfassung und Verwertung persönli- cher Daten durch Unternehmen zu geben - und mögliche Auswirkungen auf unser Leben zu beschreiben. In welcher Form könnte kommerzielle digitale Überwachung zukünftig den Alltag prägen? Was sind die Risiken? Und welche Handlungsoptionen ergeben sich daraus für Politik, Öffentlichkeit, Unternehmen und BürgerInnen? Auf Basis der Forschungsarbeit haben sich u.a. folgende Erkenntnisse ergeben: Analyse und Verknüpfung digitaler persönlicher Daten Im Zeitalter von Big Data werden immer häufiger statistische Methoden und andere Technolo- gien des Data Mining eingesetzt, um große Mengen persönlicher Daten zu analysieren und da- rin Muster und Zusammenhänge zu finden. Damit lassen sich Erkenntnisse über Einzelne ge- winnen, die weit über die in den gesammelten Rohdaten enthaltenen Informationen hinausge- hen - oder sogar Prognosen über zukünftiges Verhalten treffen. Die US-Supermarktkette Target konnte etwa aus einer Analyse des Einkaufsverhaltens schwangere Frauen und sogar deren Geburtstermine identifizieren - und zwar ohne dabei auf offensichtliche Käufe wie Baby- kleidung oder Kinderwägen angewiesen zu sein. Mehrere wissenschaftliche Studien haben be- legt, dass sich aus rudimentären Metadaten über Online-Verhalten oder Smartphone- Kommunikation weitreichende Einschätzungen treffen lassen: ? Allein aus Facebook-Likes kann mit hoher Zuverlässigkeit auf persönliche Eigenschaften wie Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit, politische Ein- stellung, Religion, Beziehungsstatus oder Nikotin-, Alkohol- oder Drogenkonsum ge- schlossen werden. Aus einer Analyse anonymer Website-BesucherInnen lassen sich de- ren Geschlecht, Alter, Beruf und Ausbildung abschätzen. Strukturell ähnliche Daten über Was „Likes“ aussagen Muster, Zusam- menhänge und Prognosen Kommerzielle Überwachung? Transparente NutzerInnen… ...intransparente Unternehmen