Motivation von Lehrlingen öibf 32 Identifikation sind vielfältig. Zwischenmenschliche Faktoren spielen hier ebenso eine Rolle wie etwa das Image und die technologische Ausstattung des Betriebs. „Was ich auch bei der Firma gut finde, sind die Maschinen. In der Berufsschule haben wir – ich sag jetzt mal – so schiache Maschinen, und die werden gar nicht mal gesäubert. Ich mein, in der Firma haben wir auch ältere Maschinen, aber die sind gut gewartet. Und in der Berufsschule erzählen manche, dass sie in der Firma auch solche Maschinen haben wie in der Berufsschule. Und wenn ich dann von meiner Firma erzähl, dann machen die auch Augen und sagen: urgeil. Ich find’s super wegen der Maschinen da.“ (FB4/Lehrlinge/S.3) „(…) das hast du bei keiner anderen Firma. Die ganze Technik, die wir da sehen. Was man da allein schon im ersten Lehrjahr sieht, das sehen die anderen von anderen Firmen oft die ganzen Jahre nicht. Die ganze Technik, die ganzen Gelenke (...). Das motiviert ungemein, dass wir in einer so super Firma sind.“ (FB5/Lehrlinge/S.3) „(...), wenn du richtig gute Lehrlinge aufnehmen möchtest, und wenn ein Lehrling wirklich gut ist, dann sucht er sich nach wie vor die Firma aus. Und damit ich heute gute Lehrlinge bekomme, muss ich Rahmenbedingungen herstellen. (...), dass da unten alles sehr sauber ist, dass wir Topwerkzeuge haben Es haben alle Mitarbeiter ihre eigene Arbeitskleidung, in vierfacher Ausfertigung, die von einer Firma gereinigt wird. Sie kriegen Arbeitsschuhe jedes Jahr. Wir haben Duschen, die jeden Tag gereinigt werden. Das ist wichtig. Wenn ich heute Präzision liefere, dann muss ich einfach die Rahmenbedingungen herstellen. Weil die Präzisi- on macht nicht die Maschine, sondern der Mensch. Das heißt, wenn ich gute Facharbeiter und gute Lehrlinge haben will, muss ich die Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen.“ (FB4/Geschäftsführer/S.9) V.8.4 Beschäftigungs- und Aufstiegschancen Die Verbindung zwischen technischer Ausstattung und Qualität der Ausbildung liegt auf der Hand und stellt wie auch das Ansehen des Betriebs in der Branche letztendlich einen Gradmesser für die Beschäftigungschancen der Lehrabsolven- tInnen dar. Zu dieser Gruppe motivierender Faktoren gehört auch die Perspektive, bei guter Leistung nach der Ausbildung die Möglichkeit auf Weiterbeschäftigung im Unternehmen vorzufinden (sh. dazu auch die Ausführungen zu „Organizational Citizenship Behavior“ – OCB10 unter Punkt III.4). In der überwiegenden Zahl der betrachteten Unternehmen ist die Lehrlingsausbildung mit einem Investitionsmo- tiv verbunden, dient also – nicht nur, aber auch – der Sicherung des eigenen Fachkräftenachwuchses. „Wenn ich seh, dass mein Kollege hier gelernt hat und jetzt hier arbeiten kann, dann glaube ich schon, dass man sich bemühen sollte. Das ist auch eine Motivation, dass man nach der Lehre eine Arbeit hat, weil man sich ja auch dran gewöhnt an diese Arbeit in den drei Jah- ren.“ (FB7/Lehrlinge/S.3) „Was bei uns sicher gut ist, dass wir wissen, wenn wir uns entsprechend entwickeln, dass wir bei der Firma bleiben können.“ (FB5/Lehrlinge/S.7) „Der Chef hat gleich am Anfang gesagt, dass, wenn wir uns gut anstellen, dass wir dann dableiben können in der Firma.“ (FB4/Lehrling3/S.3) „Ganz wichtig: Die Menschen brauchen Perspektive, egal, ob das ein Lehrling ist oder Sie oder ich. Wenn du einem Mitarbeiter keine Perspektive gibst, dann ist es mühsam. Damit Mitarbeiter lange bleiben und motiviert an die Sache heran gehen, brauchen sie ein Ziel, das sie auch erreichen können. Das heißt, es gibt bei uns die Möglichkeit, sich im Haus weiter zu entwickeln. Ich sage das aber jedem, es ist relativ schwer, sich weiter zu entwickeln. Warum? Weil wir eine sehr geringe Fluktuation haben. Aber, die Möglichkeit ist da.“ (FB4/Geschäftsführer/S.10) Aufstiegschancen im ausbildenden Unternehmen können naturgemäß v.a. größere Unternehmen bieten, bei kleineren Unternehmen der Auswahl wird von den Aus- 10 OCB: „freiwilliges Verhalten, das sich positiv auf die Funktionsfähigkeit der Organisation auswirkt und im Rahmen des formalen Anreizsystems nicht explizit berücksichtigt wird“ (Rosen- stiel/Nerdinger, nach Organ/Podsakoff/MacKenzie 2006)