Situation von Wiener Lehrlingen im letzten Ausbildungsjahr öibf 6 II. Einführung und Forschungsfragen Eine längerfristige Betrachtung der Lehrlingsstatistik zeigt einen stetigen Rück- gang der Prüfungserfolgsquoten bei der Lehrabschlussprüfung (kurz: LAP) in Ös- terreich von 88.3% im Jahr 1980 auf 82.5% im Jahr 2011 (vgl. Dornmayr & No- wak, 2012; Hofstätter & Hruda, 1994). Dazu wird vermutet, dass eine relevante Gruppe von Lehrlingen aufgrund schlechter Rahmenbedingungen in der Ausbil- dung erst gar nicht zur LAP antreten (Der Standard, 2013). Es gibt daher eine beträchtliche Menge an Lehrlingen, die ihre Lehrausbildung ohne Berufsabschluss abschließen, trotz Beendigung der gesetzlichen Lehrzeit und z.T. auch erfolgrei- chem Berufsschulbesuch. Während Prüfungserfolgsquoten und Lehrabbrüche vergleichsweise gut dokumen- tiert sind, wird in der Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer(n) der Anteil der Nicht-Antritte nicht ausgewiesen1. Bisher gibt es in Österreich keine aktuelle Forschungsliteratur darüber, aus welchen Gründen und aufgrund welcher Ursa- chen, Lehrlinge am Ende der Lehrzeit nicht zur LAP antreten. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, diese Forschungslücke ein Stück weit zu schließen. Dazu wurden drei Hauptfragestellungen formuliert: • Welche ausbildungsbezogenen Faktoren und persönlichen Merkmale der Lehrlinge beeinflussen den subjektiven Vorbereitungsgrad für die Lehrab- schlussprüfung? • Welche ausbildungsbezogenen Faktoren und persönlichen Merkmale be- einflussen die Antrittswahrscheinlichkeit aus Sicht der Lehrlinge? • Welchen Unterstützungsbedarf sehen Lehrlinge wenige Monate vor dem Antritt zur Lehrabschlussprüfung? Um diese Fragestellungen zu beantworten wurde eine österreichweite Online- Befragung von Lehrlingen resp. BerufsschülerInnen im letzten Ausbildungsjahr durchgeführt, welche die Datengrundlage für den vorliegenden Forschungsbericht darstellt. Die Stichprobengröße umfasst 4.863 befragte Lehrlinge aus dem gesam- ten Bundesgebiet. Bei angenommenen LAP-Prüfungsterminen im Frühsommer oder Herbst 2013, lag der Befragungszeitpunkt zwei bis vier Monate vor einem möglichen Prüfungsan- tritt. Die Ergebnisse werden auf Basis des Ausbildungsstandortes getrennt nach Wien und den übrigen acht Bundesländern (BL) differenziert dargestellt und, dort wo auffällige Unterschiede hervortreten, diskutiert. 1 Nicht-Antrittsquoten werden aber von der WKO zu internen Verwendungszwecken in einer Spezial- auswertung der Lehrlingsstatistik berechnet.