»Doing Gender while Doing Work« immer wieder erneut zu befragen (vgl. ebd.) Die erhobenen Erfahrungen rund um den amaZone Award bieten einen guten Anlass, dieser Empfehlung nachzukommen. 1.2.5. Othering Einen weiteren theoretischen Bezugspunkt zur Analyse der Erfahrungen von Mädchen und Frauen in den »geschlechtsuntypischen« Berufsfeldern in Hand- werk und Technik liefert das Konzept des Othering. 1978 in der postkolonialen Theorietradition von Edward Said entwickelt, kritisiert es eine Essentialisierung und Homogenisierung im Prozess der Kolonialisierung zwischen einem »wir/ Europa« und den »Anderen/der Rest«. Dabei zeichnet Said die Notwendigkeit des Irrationalen Anderen für die Konstituierung des rationalen Selbst auf. Pro- zesse des Othering erzeugen den/die Andere beständig neu und zurren diese/n gleichzeitig auf der Position der Differenz fest. Das Fremd-machen oder Ve- randern (Othering) bedarf der Differenz als konstitutives Außen, um Identität herzustellen (vgl. Castro Varela:256). Prozesse des Othering setzen auch dann ein, wenn eine »unpassende« Ge- schlechtszugehörigkeit in beruflichen Alltagshandlungen zwischen Abgrenzung und Auseinandersetzung ambivalent verhandelt wird. Auf mögliche Facetten dieses Othering Prozesses auf einer Mikroebene wird in der qualitativen Ana- lyse der Erfahrungen von Frauen und Mädchen in handwerklich-technischen Lehrberufen eingegangen (siehe Kapitel 4). 1.3. Methode Im Folgenden werden die methodologischen Vorüberlegungen sowie das methodische Vorgehen explizit gemacht. Die Abfolge, der in diesem Abschnitt besprochenen Themen orientiert sich an jener des Forschungsprozesses selbst. Zunächst wird das Forschungsdesign zur quantitativen Analyse vor- gestellt, dann folgen die methodologischen Überlegungen zum Design der qualitativen Untersuchung. Das Kapitel schließt mit der Dokumentation des angewandten qualitativen Forschungsdesign und diskutiert methodische Herausforderungen. 1.3.1. Quantitative Interpretation der Daten Zwischen 2001 und 2010 sammelte sprungbrett die Bewerbungsdaten in einem nicht-wissenschaftlichen Kontext, jedoch wurden von allen Unterneh- mensbewerbungen der Bewerbungsbogen und die Transkription der Be- triebsinterviews digital archiviert. Für die quantitative Analyse der amaZone Trends over Time entschieden wir aus wissenschaftsethischen Gründen auf die Information in den zwischen 2001 und 2011 gesammelten Bewerbungs- bögen zurückzugreifen und die dort festgehaltenen MitarbeiterInnen- und Unternehmensdaten in aggregierter Form deskriptiv darzustellen. In der Folge wurden die Daten in einer Matrix gesammelt. Zur besseren Kontextuali- sierung dieses Materials wurden a) die historische Entwicklung des amaZone Awards nachgezeichnet, b) die Veränderung der Abfrage-Items in den Bewerbungsbögen zwischen 2001 und 2011 festgehalten und c) die Möglichkeitsstrukturen des amaZone Awards aufgezeigt. Somit sind Brüche in der Datenkohärenz und die Repräsentativität der gewonnen Ergebnisse plausibilisiert. 9»Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind« Wien, Dezember 2011