1.3.2. Qualitative Interpretation der amaZone Interviews Im qualitativen Teil wurden Erfahrungen von Frauen und Mädchen in so ge- nannten geschlechtsunüblichen Lehrausbildungen (konkret in technisch-hand- werklichen) in den Fokus genommen. Dazu führten wir je nach Ausbildungs- situation im Betrieb Einzelinterviews als auch Gruppeninterviews im Rahmen des amaZone Wettbewerbs. Dabei dienen die Interviews nicht der empirischen Theoriebildung im Sinne der Grounded Theory (Strauss und Corbin 1996), sondern sie werden, neben ihrer Funktion als Bewertungsgrundlage für den amaZone Award, zur zurückhaltend formulierten Hypothesenbildung über typische Problemlagen des Feldes genutzt. Dementsprechend wurde auf eine Hypothesenbildung ex ante verzichtet und das Vorgehen als hypothesengene- rierend und nicht als prüfend verstanden (vgl. Mayring 2002:27f). Für den Forschungsprozess wurde ein halboffener, problemzentrierter Inter- viewleitfaden entwickelt, der auf der amaZone Befragungspraxis der letzten Jahre aufbaute und mit Theorie kontrastiert und verändert wurde. Die Abfrage- form des problemzentrierten Interviews hat den Vorteil, dass es zwischen einer sehr offenen Form des Interviews (wie dem Narrativen Interview) und sehr standardisierten Abfrageformen (wie dem quantitativem Interview) balanciert. Das Interview folgt einem Leitfaden und wird durch diesen ein Stück weit standardisiert, was Vergleichbarkeit (ein Kriterium für den amaZone Award wie für die vorliegende Untersuchung) ermöglicht. Die Interviewsituation ist dennoch offen für subjektive Auslegungen der Interviewten und ermöglicht den Interviewerinnen Flexibilität. Die in der Entwicklung des Leitfadens leiten- den, aber nicht festlegenden Forschungsfragen lauten: 1. Wie kam es zur Berufswahl und welche Gründe spielten dabei eine Rolle 2. Welche Erfahrungen wurden im Bewerbungsprozess gemacht, welche in der Lehrausbildung und wie sind diese unter dem Blickwinkel des »Doing Gender« zu bewerten? 3. Wie bringen die Interviewten ihr Geschlecht mit einem als männlich konnotierten Berufsfeld in Einklang? Zwischen Juli und August 2011 wurden 32 Interviews mit Lehrmädchen und Frauen in Handwerk und Technik im Rahmen des amaZone Awards geführt und transkribiert. Unter Zuhilfenahme der Literatur und des Vorwissens, wurden für das Sampling alle Interviews nach dem Prinzip der minimalen und maximalen Kontrastierung (vgl. Keller 2008) bearbeitet und in der Folge sieben Interviews zur Feinanalyse fokussiert ausgewählt. Dabei fanden folgende Kriterien Be- rücksichtigung: Alter, Herkunft, Berufsbranche, Gruppen- und Einzelinterviews. Die Auswahl spannt das Forschungsfeld in seiner Vielfalt auf und bietet Ähn- liches als auch sehr Unterschiedliches für die Bearbeitung an. Aus diesen In- terviews wurden nochmals einzelne Passagen, konkret die Einstiegserzählung, die Frage nach dem Klima für Mädchen/Frauen und die von den Interviewten bedeutsam gemachten Textteile für sequentielle Feinanalysen ausgewählt. Die Interpretation wurde in zwei Schritten angegangen: der formulierenden und der reflektierenden Interpretation nach Bohnsack. (vgl. Bohnsack 2010). Wo die formulierende Interpretation nach dem WAS (der Darstellung) fragt, zielt die reflektierende Interpretation auf das WIE (Herstellung der Darstel- lung) in der Analyse der gewählten Interviewpassagen. Dabei folgten wir einem regelgeleiteten Prozedere. In Interpretationszirkeln wurde zuerst die thema- tische Gliederung des gesamten Interviews bestimmt, dann die Eingangser- »Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind« Wien, Dezember 2011 10