In Österreich wird der Qualitätsbegriff in der Lehrausbildung noch sehr breit gefasst und von AkteurInnen unterschiedlich interpretiert wie angewandt. Die eingangs zitierte, von der Arbeiterkammer Wien, Abteilung Lehrlings- und Jugendschutz in Auftrag gegebene Studie17 zur Qualität der Lehrausbildung kann als ein Anstoß zur Entwicklung von gemeinsamen Handlungsanleitungen beitragen. Das vorliegende Kapitel möchte zusätzlich Aspekte inkludieren, die rund um den amaZone Award in langjähriger Auseinandersetzung zu Qualitäts- faktoren in der Lehrausbildung von Mädchen/Frauen in Handwerk und Technik entwickelt wurden. 3.2. Betrachtungsfokus Fragen zur Qualität der Berufsausbildung erfordern das Formulieren von Zielen und Indikatoren (vgl. Weiss 2010). Daher gilt es zu definieren, was unter (guter) Qualität zu verstehen ist. Auch die amaZone Erfahrung hat gezeigt, dass in der Ausbildungspraxis Qualitätsziele zumeist kontrovers sind, da zwischen den AkteurInnen aus unterschiedlichen Ausbildungsstätten, aber auch innerhalb einer Ausbildungsstätte, wie zwischen InteressenvertreterInnen keine Überein- kunft herrschen muss, was Qualität bestimmt und welche Ziele erreicht werden sollen. Gemeinsam mit Weiss (vgl. ebd.) konstatieren wir, dass unterschiedliche Positionen die logische Folge von verschiedenen Definitionen, Herangehens- weisen, Interessen, unterschiedlichen Wahrnehmungen wie Wertungen sind. So stellen die von sprungbrett Expertinnen in betrieblichen Ausbildungskon- texten geprüften und erarbeiteten Qualitätsindikatoren für die Lehrausbildung von Mädchen und Frauen in Handwerk und Technik ein spezifisches Instrumen- tarium dar, um das Qualitätsziel mädchen- wie frauenfreundliche Lehraus- bildung in einem diskursiven Prozess zu bewerten. Sie sind vom Interesse getragen, inkludierende und exkludierende Praktiken um ein »Doing Gender« in betrieblichen Lehr-Lernverhältnissen durch qualitative Befragung einzu- fangen, zu messen und zu bewerten. Das in der letzten Dekade gesammelte Wissen der sprungbrett Expertinnen wird nun in die Beantwortung der Frage einfließen, welche Aspekte in der Diskussion um die Preisvergabe für eine Be- wertung der Lehrausbildung von Mädchen und Frauen in Handwerk und Technik in Betrieben von sprungbrett Expertinnen als besonders wichtig erachtet wurden. Die Learnings im Feld werden in einem weiteren Schritt festgehalten. 3.3. Ansatzebenen der amaZone Qualitätskriterien – Expertinnen Diskussion In einer Diskussion mit sprungbrett Expertinnen wurden die besonders wichtig gemachten frauen- wie mädcheninkludierenden Maßnahmen für mehr Qualität in der Lehrausbildung in Handwerk/Technik erhoben. Diese finden sich auf drei Ebenen und umfassen das Ausbildungssystem, die Ausbildungssituation und konkrete Ausbildungsarrangements. Um die amaZone Qualitätskriterien in einen Analyserahmen zu setzen, wird im Folgenden auf die Tabelle zur Differenzierung nach den organisatorischen Ebenen von Schlögl, Proinger und 27 17 Schlögl, Peter; Proinger, Judith; Wieser, Regine (2010): Qualität der Lehrausbildung. Expertise zur Definition von Quali- tätsdimensionen, Recherche von internationalen «Good Practice Beispielen sowie der Erarbeitung von Handlungsansät- zen. Öibf (Hg.), Wien. »Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind« Wien, Dezember 2011