Wirtschaftspolitik – Standpunkte. 04 | 2012. seite 17 von 26 Die Verschuldung der privaten Haus- halte ist mit 63 Milliarden Euro oder 6% des Bruttovermögens relativ gering. Das Nettovermögen (Bruttovermögen minus Schulden) machte damit im Jahr 2010 rund 999 Mrd. Euro aus. wie wird die Vermögensschieflage ge- messen? Die ausgeprägte Ungleichheit in der Verteilung von privatem Vermögen zeigt sich auch in Verteilungskennzahlen. Eine wichtige ist der Gini-Koeffizient. Er liegt zwischen den Werten 0 und 1, wobei 0 eine vollständige Gleichverteilung be- deutet und 1 eine Verteilung darstellt, bei der ein Haushalt über gesamte Vermögen verfügt. Der Gini-Koeffizient für Einkom- men, die in Österreich nach Steuern und Transfers weniger ungleich verteilt sind, liegt bei 0,26. Der Gini-Koeffizient für das Bruttovermögen privater Haushalte be- trägt 0,73. Die Vermögenskonzentration ist aber aller Wahrscheinlichkeit nach noch ext- remer als in der Studie dargestellt. Denn bei der Erhebung der Oesterreichischen Nationalbank ist kein einziger Milliardärs- Haushalt erfasst worden. Vermögende Haushalte lehnen eine Teilnahme an Unter- suchungen zu Einkommen und Vermögen häufiger ab, verweigern öfter Antworten und unterschätzen ihr Vermögen. So floss kein Vermögen aus Privatstiftungen in die Erhebung mit ein. Die dargestellten Zahlen und Verhältnisse stellen somit eine Unter- grenze der Ungleichverteilung des Vermö- gens dar. Bei einer erneuten Erhebung ist es deshalb unbedingt notwendig, so wie international üblich, gezielt mehr vermö- gensreiche Haushalte zu befragen, um auch die extrem reichen Haushalte zu erfassen. wie viel Vermögen wurde geerbt? Erb- schaften spielen eine wichtige Rolle in der Vermögensverteilung in Österreich. Etwa 15% aller Haushalte erbten ihren Hauptwohnsitz. Bewertet nach dem Ge- genwartswert 2010 summieren sich alle Erbschaften auf über 320 Mrd. Euro, also knapp ein Drittel des Gesamtvermögens. Insgesamt hatten zum Befragungszeit- punkt 35% aller Haushalte Vermögen ge- erbt, vermögensreiche Haushalte erbten allerdings wesentlich häufiger (siehe Gra- fik 4 links). Während von den vermögens- ärmsten Fünftel der Haushalte nur jeder Zehnte erbte, war es beim reichsten Fünf- tel jede/r Dritte. der gini-koeffizient für einkommen, die in Österreich nach steuern und transfers weniger ungleich verteilt sind, liegt bei 0,26. der gini-koeffizient für das bruttovermögen privater Haushalte beträgt 0,73.