Wirtschaftspolitik – Standpunkte. 03 | 2013. seite 18 von 23 sind durch Einlagensicherungssysteme ab- gesichert, und er wird mit hoher Wahr- scheinlichkeit auch nach der Einführung eines Bankenrestrukturierungs- und -ab- wicklungsrechts auf implizite Garantien vertrauen können. Das heißt umgekehrt, dass alle Geschäfte, die nicht unmittel- bar mit dem Geschäftsbankenteil zu tun haben, dem Handelsaktivitäten (Invest- mentbanking) zugerechnet werden, damit Garantien für das Einlagengeschäft eben nicht für andere Risiken missbraucht wer- den können. Der Investmentbankenteil sollte hingegen möglichst breit definiert sein. …und wie? Die Skala, wie zu trennen ist, reicht von einer schwachen funktionalen Trennung (in der Abbildung Spalte „func- tional separation 1“) im Konzern, dh rechtlich getrennte, aber wirtschaftlich weiter stark verflochtene Teile, über eine starke funktionale Trennung im Konzern mit einer rechtlichen und wirtschaftli- chen starken Trennung (in der Abbildung Spalte „functional separation 2“)hinsicht- lich Transparenz und Modalität der kon- zerninternen Geschäfte, der corporate Governance und der Haltung des Kapi- tals für die einzelnen Teile) bis zu einer völligen Eigentumstrennung (in der Ab- bildung Spalte „ownership separation“). Für die schwache funktionale Trennung spricht nicht viel: Die Risiken bleiben im Wesentlichen unverändert. Bei der Wahl zwischen der starken funktionalen Tren- nung und der strikten Eigentumstrennung wird vor allem zwischen zwei Argumen- ten abzuwägen sein: Bei der stark funkti- onalen Trennung bleiben einige der Anste- ckungsrisiken weiter bestehen, wenn die Komplexität nicht reduziert wird, und die Trennung nicht so weit geht, dass die Teile auch alleine überleben können. Die strik- te Eigentumstrennung birgt die Gefahr in sich, dass es zu einem weiteren Kon- zentrationsprozess kommt, weil Invest- mentbanken zB bei der Platzierung von Wertpapieremissionen für Dritte über eine kritische Größe verfügen werden müssen. In dieser Abwägung spricht also viel für die Option H, wie sie in Groß- britannien mit dem sogenannten „ring fencing“ im Parlament diskutiert wird.7 Die in Deutschland und Frankreich ein- gebrachten Basis-Vorschläge (Option A) lassen das Bankensystem im Wesentlichen so wie es ist, weil sie erstens nur eine formal-rechtliche Trennung vorsehen und zweitens eine sehr enge Definition der Handelsaktivitäten (Investmentbanking) wählen. und was ist mit dem diversifikationsar- gument und dem Vertrieb? Ein häufig vor- gebrachtes Argument für das Beibehalten des Universalbankensystems in seiner ge- genwärtigen Form ist das der Diversifika- tion. Nun, zum einen erinnert das an die Diskussion um die Mischkonzerne in den siebziger und achtziger Jahren des vori- gen Jahrhunderts, wo mit dem Argument, man könne mit Diversifikation das Risiko streuen, ganze „Bauchladenkonzerne“ ent- standen sind, von denen viele wieder aus Effizienzgründen getrennt wurden. Zum anderen weist wenig darauf hin, dass zwi- schen Zins- und Provisionsgeschäft (also im Wesentlichen Geschäftsbanken und In- vestmentbankgeschäften) tatsächlich keine oder gar eine negative Korrelation besteht, was heißen würde, dass das Risiko effizient gestreut wäre. Damit ist das Risikostreu- ungsargument ein schwaches. Vielmehr stehen wir vor einem Prob- lem des Paradoxons der Diversifikation: Indem alle Finanzmarktakteure ihr Heil in der Diversifikation suchen, steigt die Kor- relation der Vermögensklassen, womit das Risiko systemischer Krisen steigt. Gesamt- wirtschaftlich gesehen keine gute Versiche- rung: Kleinere Risiken werden versichert, während das Risiko großer, systemischer Risiken steigt. Wir brauchen also ein sta- bileres System, ein System der Diversität mit unterschiedlichen Akteuren, die unter- schiedlich agieren und auch ihrer Funkti- Vieles spricht für eine möglichst enge definition des geschäftsbankenteils, um die ausfallhaftung der steu- erzahlerinnen zu minimieren. quelle: http://ec.europa.eu/internal_market/consultations/2013/banking-structural-reform/index_de.htm , Seite 9. OPTIONEN-ÜBERBLIcK: