Wirtschaftspolitik – Standpunkte. 03 | 2013. seite 23 von 23 größeren Unternehmen, die die stärkste Dynamik zeigen und –damit korrelierend- jene Unternehmen, die Teil eines Konzerns sind, deren Zentralen sich im Ausland be- finden bzw. bei denen die Entscheidungs- kompetenz überwiegend nicht im eigenen Betrieb liegt. Der Umfang der Veränderun- gen weist einen sehr signifikanten statisti- schen Zusammenhang mit der Beurteilung der Managemententscheidungen sowohl hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwick- lung des Unternehmens als auch in Bezug auf die Situation der Beschäftigten auf: Jene BetriebsrätInnen, die das Management ne- gativ bewerten, registrierten überdurch- schnittlich viele Veränderungen (ca.10) im letzten Halbjahr. Von sämtlichen beobachteten Struktur- veränderungen klassifizieren die Betriebs- rätInnen 42% als für das Unternehmen po- sitiv, aber immerhin auch in mehr als einem Viertel der Veränderungen (27%) werden überwiegend Nachteile für die wirtschaft- liche Entwicklung des Unternehmens gese- hen. Ziemlich genau spiegelverkehrt fällt die Beurteilung des strukturellen Wandels mit dem Fokus auf die Beschäftigten aus: 28% der Veränderungen werden positiv, 41% je- doch negativ beurteilt. Mit steigender Anzahl der beobachteten Strukturveränderungen sinkt zugleich der Anteil jener, die für die Beschäftigten als positiv erachtetet werden. Vier von zehn BetriebsrätInnen können keine der beob- achteten Veränderungen als für die Beleg- schaft positiv charakterisieren, lediglich für 13 Prozent der BetriebsrätInnen fielen mehr als zwei Drittel der im letzten Jahr beobachteten Strukturveränderungen zum Vorteil für die Belegschaft aus. Ein entscheidender Faktor für die Be- urteilung des strukturellen Wandels durch die BetriebsrätInnen ist die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, die sich in wirt- schaftlichen Kennzahlen und den subjekti- ven Perspektiven ausdrückt: Je stärker die Kennzahlen nach oben weisen und je mehr Optimismus vorherrscht, desto eher wird auch der Strukturwandel positiv beurteilt: BetriebsrätInnen mit „positivem“ Struktur- wandel rechnen auch überdurchschnittlich häufig mit einem Zuwachs an Personal so- wie an Umsatz. Eine erwartete Gewinnstei- gerung steigert allerdings den Anteil des im Hinblick auf die Belegschaft positiv bewer- teten Strukturwandels nicht maßgeblich. Vice versa sind Unternehmen mit über- wiegend „negativ“ beurteiltem Struktur- wandel jene mit sinkendem Personalstand, Umsatz, aber auch Gewinn. die zentralen erkenntnisse. Der Struktur- wandel wird von BR grundsätzlich begrüßt und als notwendig erachtet. Es zeigen sich von der ersten zur zwei- ten Erhebungsperiode keine Umbrüche bzw. Veränderungstrends. Der halbjährli- che Befragungsrhythmus scheint für die Er- fassung der Veränderungsdynamik in Zeiten „normaler“ Wirtschaftsentwicklung also eher zu hoch zu sein. Im Durchschnitt registrieren die Be- triebsrätInnen Veränderungen in 8,4 von maximal 31 Einzelaspekten, wobei der Um- fang der Veränderungen mit der Betriebs- größe steigt. Die Auswirkungen des betrieblichen Strukturwandels werden für die wirtschaft- liche Entwicklung des Unternehmens ten- denziell positiv, für die Beschäftigten jedoch eher negativ beurteilt. Als Profiteure des Strukturwandels werden v.a. die Unterneh- men bzw. deren Eigentümer erachtet. Die Volkswirtschaft und die Belegschaft sind in Relation die Verlierer des Strukturwandels. Ein entscheidender Faktor für die Be- urteilung des strukturellen Wandels durch die BetriebsrätInnen ist die wirtschaftliche Lage des Unternehmens: Je stärker die Kennzahlen nach oben weisen, desto positi- ver wird auch der Strukturwandel beurteilt. Ein weiterer wesentlicher Faktor für die Beurteilung des Strukturwandels ist das Ausmaß der Einflussmöglichkeiten sei- tens des Betriebsrates. Wo diese sinken, schlagen die vermuteten Auswirkungen des Strukturwandels teilweise massiv ins Nega- tive um. Georg Michenthaler, IFES – Institut für empirische Sozialforschung Strukturwandelbarometer, 2013 http://media.arbeiter- kammer.at/PDF/Strukturwandelbarometer_2013.pdf zeitdruck und flexibilitätsanforderungen nehmen dort besonders stark zu, wo die betriebsrätinnen an einfluss verlieren.