Bildung und der sich verändernde Qualifikationsbedarf sind zentrale Themen in der Digitalisierungsdiskussion, an denen man derzeit nicht vorbeikommt. Und das nicht zu Unrecht: Denn digitale Kompetenzen und Bildung werden eine der wichtigsten Voraussetzungen für die individuellen Teilhabemöglichkeiten von jeder/m von uns in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt sein. Doch damit auch alle gleichberechtigt die für die (Arbeits-)Welt von heute und morgen benötigten Fertig- keiten erlangen können, braucht es entsprechende Rahmenbedingungen. Neue Anforderungen? Rucksack mit Fähigkeiten packen Aufgrund der Digitalisierung ergeben sich neue Anfor- derungen an die berufliche Ausbildung, aber auch für das Weiterbildungssystem. So werden bestimmte Kom- petenzen künftig stärker benötigt. Um eine weitere Spaltung der Bevölkerung zu verhindern, müssen alle Menschen bei den Veränderungsprozessen in der Ar- beitswelt und den Bildungseinrichtungen teilnehmen können. Studien, die sich an einer Beschäftigungsprognose im Lichte der Digitalisierung versuchen, gehen – auch wenn es im Detail größere Unterschiede bei den Prog- nosen gibt – davon aus, dass Tätigkeiten, die eine ge- ringe Qualifikation voraussetzen bzw. auch einen hohen Routineanteil haben, weniger nachgefragt werden und dieses Segment des Arbeitsmarktes bzw. die Beschäf- tigten in diesen Bereich stärker unter Druck kommen. Die Prognosen gehen weiters davon aus, dass die Rou- tinetätigkeiten – sowohl in produzierenden als auch administrativen Bereichen – zurückgehen werden. Da- mit einher geht auch ein steigender Bedarf nach „soft skills“, projektbezogener und fachbereichsübergreifen- der Zusammenarbeit. Eine Vermittlung dieser Fähigkei- ten kombiniert mit dem Erlernen von digitalen sowie fachlichen Kompetenzen ist sowohl für die individuellen Chancen am Arbeitsmarkt als auch für die allgemeine Entwicklung unserer Gesellschaft und Wirtschaft sehr wichtig. Neben gut qualifizierten Arbeitskräften braucht es auch souveräne KonsumentInnen für neue digitale Märke und kompetente informierte StaatsbürgerInnen. Digitalisierung als Chance gegen „Digital Divide“? Digitalisierung kann eine Chance sein, dass mehr Men- schen – auch solche, die im traditionellen Bildungsver- ständnis nicht „bildungsaffin“ sind – an Bildungsmaß- nahmen teilnehmen können. Über Online-Kurse (beispielsweise bietet die Plattform IMooX aus der Stei- ermark Online-Kurse für alle an), besser anpassbare Module, einen stärkeren Methoden-Mix usw. kann ver- mehrt (auch ortsunabhängig) Wissen vermittelt wer- den. Doch auch hier gibt es Grenzen: Auch wenn sich viele ArbeitgeberInnen wünschen, dass Weiterbildun- gen in der Freizeit absolviert werden, bedeutet digitale Bildung nicht, dass diese „nebenbei“ stattfindet. Bildung ist auch eine Ressourcenfrage! Denn Menschen brauchen nach wie vor entsprechen- de Ressourcen um sich weiterzubilden, also vor allem Zeit und auch einen Raum bzw. die technische Infra- struktur. Gerade Frauen, die oft die Hauptlast der Fa- milienarbeit tragen und auch erwerbstätig sind, wür- den bei beruflichen Weiterbildungen in der Freizeit durch die Finger schauen. Oder bei einem älteren Hilfsarbeiter mag es auch an der fehlenden techni- schen Ausstattung zu Hause scheitern. Das Erlernen von digitalen Kompetenzen und Lernen mit digitalen Hilfsmitteln setzt den Zugang zu vielen Ressourcen voraus: Lernzeit, adäquate Lernumge- bungen, technische Infrastruktur in Bildungseinrich- tungen, private LernbegleiterInnen; und nicht zuletzt muss auch der Lebensunterhalt für lernende Erwach- sene finanziert bzw. bereitgestellt werden. Fazit Bildung und digitale Kompetenzen sind nicht nur eine Notwendigkeit für Teilhabe in einer digitalisierten Ge- sellschaft und am Arbeitsmarkt, sondern auch Vo- raussetzungen für eine Weiterentwicklung von Gesell- schaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Der digitale Wandel betrifft dabei alle Ebenen der Bildung: früh- kindliche Bildung, Schule, berufliche Ausbildung, be- triebliche Weiterbildung, Erwachsenenbildung und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Umfassende und möglichst leicht zugängliche Bil- dungsangebote sind essentiell, damit wirklich alle Menschen am digitalen Wandel teilhaben und sich an der Gesellschaft beteiligen können. Die Ausbildung ist dabei ein wichtiger Aspekt, aber es geht vor allem auch um ein Lernen, wie man sich kritisch reflektiert und emanzipiert in der (Arbeits-)Welt von morgen be- wegt. Denn Bildung ist nicht nur berufliche Bildung. Studien zeigen, dass es durchaus einen Kompetenz- bedarf für die „Industrie 4.0“ gibt, die entsprechenden Schulungsangebote werden entwickelt. Wichtig dabei ist, dass alle Personen an diesen Angeboten teilhaben können, also auch ältere Personen, NeueinsteigerIn- nen und Arbeitslose. Neben der passenden Ausge- staltung dieser Maßnahmen ist daher vor allem auch ein Rechtsanspruch auf Weiterbildung wichtig. "