37 Als großer Pluspunkt wird gesehen, dass die gewonnenen Stunden aus der Freizeitoption nicht verfallen kön- nen. „Das hat eine große Qualität für die Leute.“ Damit wird es möglich, langfristig Zeit anzusparen. Gerade auch für das Thema „lebensphasen-orientierte Auszeiten“ spiele das eine wichtige Rolle. Generell bekommen MitarbeiterInnen durch die Freizeitoption mehr individuell verwendbare Zeit zur Regeneration zur Verfü- gung, was insbesondere auch für Ältere ein wichtiger Punkt sei. Wenn nicht bereits durch anderweitige Ar- beitszeitmodelle abgedeckt, könne die Freizeitoption gewissermaßen auch als eine arbeitnehmerfreundliche Flexibilisierung verstanden werden. Für manche, vor allem auch Jüngere, sei die Freizeitoption ein Ersatz zur noch nicht erreichten bzw. immer schwerer zu erreichenden 6. Urlaubswoche, ein „Sechs-Wochen-Urlaubs- Ersatz“ sozusagen. Empfehlung Im Hinblick auf jene Unternehmen, die die Freizeitoption bislang noch nicht angeboten haben, ist die Mei- nung der Betriebsräte wiederum einhellig. „Also, es macht auf jeden Fall Sinn.“ Es liege hauptsächlich an der Vorbereitung und auch an der Überzeugungskraft, ob man die Freizeitoption erfolgreich einführen könne oder nicht. „Ich denke, dass es überall problemlos funktionieren kann.“ 3.2 Was sagt die ArbeitgeberInnen-Seite zur Freizeitoption Stellvertretend für die ArbeitgeberInnen-Seite wurde Brigitte Ederer, seit 2010 Obfrau des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) und Chefverhandlerin für den EEI-Kollektivvertrag, ehemalige Gene- raldirektorin der Siemens AG Österreich und Aufsichtsrätin (u.a.) bei Infineon Technologies AG um eine Ein- schätzung gebeten. 11 Allgemeines zur Freizeitoption Ursprünglich war die FZO vonseiten der UnternehmerInnen ausschließlich für ältere ArbeitnehmerInnen gedacht. Die Gewerkschaften bestanden in den Kollektivvertragsverhandlungen 2013 jedoch partout darauf, dass diese Möglichkeit für alle angeboten wird. Im FEEI selbst gab es zur Freizeitoption zu diesem Zeitpunkt noch keine gefestigte Meinung. Ederer selbst ging jedoch davon aus, dass im Endeffekt auch hauptsächlich eher Ältere die Freizeitoption beantragen würden. Deshalb wurde die Gewerkschaftsforderung akzeptiert. Dem war dann bekanntlich nicht so. „Ich habe mich völlig verschätzt.“ Diese Tatsache hat für Diskussionen gesorgt, weil befürchtet wurde, dass ausgerechnet junge, hochqualifizierte LeistungsträgerInnen die Frei- zeitoption beantragen würden. Folglich war 2014 die Mehrheit im FEEI eigentlich gegen die FZO eingestellt. 11 Dieses Unterkapitel basiert auf einem persönlichen Gespräch mit Brigitte Ederer, geführt am 05.05.2015