39 Freizeitoption anzubieten, um Entlassungen vorzubeugen. Auch die Krise ab 2008 habe gezeigt, wie wichtig es sei, die Qualifikation der Belegschaft im Unternehmen zu halten. Insgesamt sieht Ederer sehr wohl das Potential, dass die Freizeitoption positive Beschäftigungseffekte hat, zumindest in dem Sinne, dass damit vorhandene Beschäftigung besser gehalten werden kann. Imageprobleme und das generelle Thema Arbeitszeit Dem Thema Arbeitszeit und Arbeitszeitregelung räumt Ederer großes Zukunftspotential ein. Die „Generation Y“ habe zweifelsohne ein völlig anderes Bild von ihrem Arbeitsleben, als ältere Generationen, die Work-Life- Balance stehe viel mehr im Zentrum. Es treffe wirklich zu, dass die jüngere Generation „arbeite, um zu leben“ und nicht umgekehrt. Die Themen Arbeits- und Freizeit und damit einhergehend Arbeitszeitverkürzung wer- den somit gesellschaftlich immer wichtiger. Die einzige Frage sei, unter welchen Rahmenbedingungen die- sem Wertewandel beigekommen wird. Die Freizeitoption biete in diesem Kontext jedenfalls eine erste, zu- kunftsträchtige Möglichkeit. Dass sie, wie oben gezeigt, offensichtlich bei manchen Betrieben trotzdem ein Imageproblem hat, überrascht Ederer nicht. „Jede Neuerung hat ein Imageproblem.“ Bei der Väterkarenz sei das nicht anders gewesen. Solche Vorbehalte ändern sich jedoch mit der Zeit. Jedenfalls erwartet Ederer im Bereich Arbeitszeit und Arbeitszeitregelung innerhalb der nächsten 10-15 Jahre radikale Veränderungen, „die werden gar nicht mehr wissen, wovon wir heute reden“. Damit werden sich traditionelle ArbeitgeberInnen genauso schwer tun, wie auch traditionelle Gewerkschaften. Hilft aber nichts, „die werden sich beide umstellen müssen.“ Das Modell Freizeitoption könnte gemäß Ederer prinzipiell auch in anderen Brachen funktionieren. Einzig bei persönlichen Dienstleistungen gäbe es natürlich die Einschränkung, dass man dort wahrscheinlich gezwungen ist, direkt und unmittelbar mehr Beschäftigte einstellen zu müssen, weil hier Fehlzeiten nicht anderweitig kompensiert werden können. Allgemein ist Ederer jedoch überzeugt: „Das wird in den nächsten Jahren in vielen Branchen vereinbart werden und damit wird es dann irgendwann einmal state-of-the-art werden.“ Freizeitoption als Instrument der Zukunft Der Wertewandel der jüngeren Generation zeige sich mitunter auch darin, dass die Anforderungen an Ar- beitgeberInnen sich verändern. Kinderbetreuungseinrichtungen und arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeitfle- xibilität seien heutzutage neben der Einkommensfrage zu wichtigen Kriterien geworden. Dass Angebote wie die Freizeitoption zukünftig immer relevanter und auch für die Attraktivität eines Unternehmens wichtig sein werden, steht für Ederer außer Zweifel. „Sicher, absolut! Aber nicht jetzt.“ Ob die Freizeitoption schon heute für die Auswahl eines Unternehmens relevant ist, sei schwer zu sagen. Dafür sei das Angebot noch zu jung und zu wenig bekannt.