40 ArbeitgeberInnen, die die Freizeitoption bislang noch nicht angeboten haben, empfiehlt Ederer jedenfalls, sich die Sache noch einmal anzuschauen: „Ich glaube, dass Unternehmen gut beraten sind sich zu überlegen, ob sie das nicht in Anspruch nehmen. Es muss ja nicht jedes Jahr sein, aber auf alle Fälle würde ich es einmal ausprobieren und schauen, wie die Erfahrung damit ist.“ 3.3 Was sagen die ArbeitnehmerInnen zur Freizeitoptionen In einer von der Arbeiterkammer Wien geförderten Masterarbeit (Gerold/Nocker 2015) zum Thema Frei- zeitoption wurden (u.a.) in einer qualitativen Erhebung Stimmen der Betroffenen, nämlich der Arbeitnehme- rInnen selbst eingeholt. In 17 etwa einstündigen, problemzentrierten Interviews wurde die Frage beleuchtet, was aus individueller Sicht die Gründe für die Freizeitoption bzw. für die Lohn-/Gehaltserhöhung waren. Die qualitativen Interviews wurden im Mai 2014 in einem Betrieb der EEI durchgeführt. Alle Aussagen in diesem Unterkapitel beziehen sich auf die genannte Arbeit. Unterschiede und Gemeinsamkeiten Von den 17 interviewten Personen haben sich neun für die Freizeitoption und acht für die Lohn- bzw. Ge- haltserhöhung entschieden. Bei der Auswahl der InterviewpartnerInnen wurde auf ein ausgewogenes Ver- hältnis bezüglich Alter, Geschlecht, Position (ArbeiterInnen/Angestellte) sowie Stellung im Betrieb geachtet. Bei Geschlechterverhältnis, Alter, aktuellen Arbeitszeiten, allgemeinen Aussagen über die Arbeitsbelastung und interessanterweise auch beim Einkommensniveau waren keine auffälligen Unterschiede zwischen der Gruppe der FreizeitoptionsnehmerInnen und jener, die die Lohn-/Gehaltserhöhung bevorzugten, zu ver- zeichnen. Der deutlichste Unterschied zeigte sich beim Qualifikations- bzw. Ausbildungsniveau sowie der Position im Betrieb. In der Gruppe mit Freizeitoption lagen diese Faktoren etwas höher, als in der Gruppe ohne Freizeitoption – woraus die AutorInnen eine ihrer drei Thesen ableiten (s.u.). Gründe für die Freizeitoptionen Gefragt nach den Gründen, warum die befragten ArbeitnehmerInnen 2013 die Freizeitoption wählten, war der simple Wunsch nach mehr Freizeit logischerweise weit verbreitet. Die meisten Menschen gaben an, diese Freizeit für Kinder und Familie verwenden zu wollen. Rund die Hälfte der Befragten wollte die zusätzlichen Freistunden auch für sich selbst (Hobbies, Reisen, Sport, etc.) verwenden. Fast allen war der finanzielle Ver- lust, der mit dieser Entscheidung verknüpft ist, nicht so wichtig. Einerseits, weil die gegenwärtige finanzielle Situation als so schlecht nicht wahrgenommen wurde. Andererseits auch, weil die zukünftige Lohn- und Preisentwicklung ohnehin sehr ungewiss sei, ein Mehr an Freizeit jedoch dauerhaft und gleichbleibend ge- nutzt werden könne. Auch wurden die Spezifika der Freizeitoption als Grund für die Entscheidung positiv