7Das InfoservIce Der aK HäufIG GEStELLtE fRaGEN zuR VERMÖGENSERHEbuNG 1. Wie wird das Gesamtvermögen errechnet? Zur Berechnung des Gesamtvermögens werden das Sachvermögen (inklusive Unternehmensbetei- ligungen) und das Finanzvermögen addiert, um das Bruttovermögen zu erhalten. Zieht man davon die Verschuldung ab, erhält man das Nettovermögen. 2. Wie und warum wurde die Vermögenserhebung in Österreich durchgeführt? In Österreich war es bis dato nicht möglich, wissen- schaftliche Aussagen über die Verteilung des Vermö- gens privater Haushalte zu treffen, da bisher nur Teil- aspekte der Vermögenssituation beleuchtet wurden. Der Household Finance and Consumption Survey (HFCS) arbeitet mit strengsten wissenschaftlichen Methoden und höchsten Qualitätsstandards. Die Daten wurden von der Oesterreichische Nationalbank erhoben, von der Europäischen Zentralbank validiert und von der US-Amerikanischen Federal Reserve Bank begutachtet. Die erste Befragungswelle des HFCS wurde 2010 in allen Ländern der Eurozone durchgeführt. Mit diesen Zahlen kann nun erstmals die Höhe und Verteilung des privaten Haushaltsver- mögens in Österreich integriert analysiert werden. 3. Was ist der Unterschied zwischen der europä- ischen Erhebung zur finanziellen Situation und zum Konsum der Haushalte (HFCS) und einer „Meinungsumfrage“? In einer Meinungsumfrage werden Menschen nach ihrer persönlichen Meinung über ein Thema befragt. Meinungsumfragen haben oft eine sehr kleine Stich- probe und diese ist meist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Die hohen Qualitätsstandards von wissenschaftlichen und amtlichen Erhebungen werden hier nicht erfüllt. Die europäische Erhebung zur finanziellen Situation und zum Konsum der Haushalte (HFCS) wird nach strengsten wissenschaftlichen und statistischen Kriterien durchgeführt. Die befragten Haushalte werden, den wissenschaftlichen Kriterien einer Wahr- scheinlichkeitsstichprobe entsprechend, nach genau festgelegten Kriterien ausgewählt. Die Daten selbst werden EDV-unterstützt in persönlichen Interviews erhoben, und strenge Qualitätsrichtlinien bei der Aus- wahl der InterviewerInnen, der Schulung, der Feldzeit und der Datenkontrolle angelegt. Somit entspricht die europäische Erhebung zur finanziellen Situation und zum Konsum der Haus- halte (HFCS) den Qualitätskriterien der amtlichen Statistik. Eine große Zahl von veröffentlichen Daten der Statistik Austria beruht ebenfalls auf empirisch erhobenen Bevölkerungsdaten, wie etwa der Mikro- zensus, die Armutsdaten (EU-SILC), die Konjunktur- erhebung, und die Preis- und Konsumstatistik. 4. Geben Reiche und Vermögende denn überhaupt Auskunft und machen sie richtige Angaben? In persönlichen Befragungen ist es sehr aufwändig, falsche Angaben zu machen und bewusste Irrefüh- rung kann durch vielfältige Computer-unterstützte Plausibilitätstests und Kreuzkontrollen während des Interviews identifiziert werden. Allerdings ist die Ver- weigerung der Auskunft bei Haushalten mit großen Vermögen häufiger der Fall, und das führt zu einer Unterschätzung der Schieflage der Verteilung. Für eine neuerliche Durchführung der Erhebung ist es deshalb unerlässlich, so wie viele andere Eurozonen- Länder ein „Oversampling“, also eine Überrepräsen- tation von sehr reichen Haushalten in der Stichpro- benauswahl durchzuführen. Damit kann dem Problem von Antwortverweigerung begegnet werden.