2900 Euro brutto entgehen den Frauen und ihren Fami- lien im Schnitt jeden Monat durch den Einkommens- unterschied. Über das ganze Jahr hinweg fehlen damit in der Einkommenskasse 12.500 Euro. Rechnet man den Unterschied auf ein durchschnittliches weibli- ches Erwerbsleben von 34,5 Jahren hoch, beträgt der Verlust stattliche 430.000 Euro. Es geht also um die Größen ordnung eines Einfamilienhauses. Man könnte also zurecht von einer haushohen Ungerechtigkeit sprechen.1 WARUM GIBT ES ÜBERHAUPT EINEN EINKOMMENSUNTERSCHIED? Die Gründe für den Einkommensunterschied sind viel- fältig. Einige davon haben viel mit fehlender Fairness zu tun, etwa, wenn Männer und Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit unterschiedlich bezahlt werden; oder wenn Männer bessere Chancen auf einen beruflichen Aufstieg haben – auch dann, wenn sie nicht besser qua- lifiziert sind. Manches beginnt schon bei der Ausbildung: Nur ein Drittel aller Lehrstellen ist mit jungen Frauen besetzt. Mädchen wie Burschen, die sich für einen für ihr Geschlecht untypischen Beruf entscheiden, haben es oft extrem schwer, eine entsprechende Lehrstelle zu finden. Andere Gründe liegen in anderen Bereichen: Noch immer unterbrechen vor allem Frauen die Erwerbs- tätigkeit, wenn ein Kind kommt. Danach arbeiten sie häufig nur in Teilzeit – oft, weil es aufgrund der Kinder- betreuung gar nicht anders geht. Männer, die Väter geworden sind, arbeiten hingegen oft mehr Stunden als davor. Allerdings sind Männer wie Frauen damit oft nicht sehr glücklich. Zwei Drittel aller jungen Väter wünschen sich eine Verringerung der Arbeitszeit. Umgekehrt möchten Frauen in Teilzeit oft gerne mehr arbeiten. WAS IM BETRIEB GETAN WERDEN KANN Nicht alles lässt sich auf der Ebene der Unternehmen beeinflussen – dennoch gibt es eine Fülle von Maß- nahmen, um im Betrieb zur Verringerung der Ein- kommensunterschiede beizutragen. Wir haben einige davon – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zusam- mengestellt. Schon mit dem Aufgreifen einzelner Maß- nahmen können BetriebsrätInnen einen wichtigen Bei- trag zur Einkommensgleichheit leisten. 1. Die richtige Berufswahl ermöglichen Den richtigen Beruf auszuwählen ist eine der ganz wichtigen Entscheidungen, die junge Menschen tref- fen müssen. Das ist nicht immer leicht: Gerade, wenn sich Mädchen und Burschen schon nach Ende der Schulpflicht für eine Lehre entscheiden, fehlt oft der notwendige Überblick. Deswegen fällt die Entscheidung gerne auf „typi- sche“ Frauen- und Männerberufe – was oft nicht die beste Wahl ist. Noch schwieriger wird es dadurch, dass es kaum Lehrberufe mit einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis gibt. Nur in 32 von 162 Berufen ist jedes Geschlecht mit zumindest einem Drittel ver- treten. Insgesamt ist nur ein Drittel aller Lehrstellen mit jungen Frauen besetzt. Natürlich braucht es deswegen mehr und bessere Berufsorientierung an den Schulen, aber auch Unter- nehmen können junge Menschen bei der richtigen Berufswahl unterstützen: Check für BetriebsrätInnen: ? Gibt es Lehrausbildungen im Betrieb? Werden Mäd- chen und Burschen gleichermaßen ausgebildet? Wenn der Betrieb in mehr als einem Beruf ausbil- det: Sind junge Frauen und Männer in allen diesen Berufen vertreten? ? Werden junge Frauen und Männer ermutigt, sich um eine Lehrstelle in einem für ihr Geschlecht untypi- schen Lehrberuf zu bewerben? Gibt es aktive Maß- nahmen, etwa Kooperationen mit Schulen dazu? ? BetriebsrätInnen wissen, wie die Arbeitswelt wirk- lich ausschaut und haben wertvolle Informationen für junge Menschen, die sich beruflich orientieren wollen. Die Mitarbeit an Projekten der Berufsorien- Aktuell 1 Daten aus der Verdienststrukturerhebung 2014, Berechnungen AK Wien