6AK AKTUELL gelten, ist kein Fortschritt. Im Gegenteil, es stellt einen Rückschritt zur derzeitigen Rechtslage dar, in der sys- temkonform jede angeordnete Zeit außerhalb der Kern- zeit als Überstunde zu gelten hat. Hinzu kommt, dass Überstunden in der Regel nicht ausdrücklich, sondern schlüssig durch Arbeitszuweisung aufgetragen werden. Die Judikatur anerkennt zutreffend auch schlüssig auf- getragene Überstunden als angeordnet. Insbesondere in Unternehmen mit starker indirekter Steuerung durch die Führung wird die Abgrenzung im Einzelfall von den Beschäftigten oft als Zumutung empfunden. Reisezeiten, Vor- und Abschlussarbeiten Die Regelung der aktiven Reisezeit (§ 20b Abs. 6 AZG) entfällt durch die Novelle. Allerdings erfolgte die da- malige Erweiterung um die 11. und 12. Stunde aktiver Reise zeit vor dem Hintergrund, Menschen zu ermögli- chen, nach der höchstzulässigen Arbeitszeit mit dem eigenen Fahrzeug nach Hause zu fahren, ohne dass Arbeit geberInnen deshalb eine Strafe wegen Verletzung der Arbeitszeit zu befürchten hatten. Dieselbe Problem- stellung ergibt sich nun einfach um zwei Stunden nach hinten verschoben. Wir vermuten, dass in Bälde mit denselben Argumenten eine Ausdehnung um weitere zwei Stunden aktive Reisezeit gefordert wird. Vor- und Abschlussarbeiten bleiben trotz der Er- weiterung der Höchstarbeitszeit weiterhin möglich und ermöglichen damit eine Gesamtarbeitszeit über 12 Stunden hinaus. Die Sonderbestimmungen für ArbeitnehmerInnen im Verkehrswesen sind ganz entfallen. Diese regelten nämlich den 12-Stunden-Tag bzw die 60-Stunden- Woche. Allerdings bedurfte es dazu eines Kollektivver- trages. Nunmehr wäre ein Kollektivvertrag nicht mehr erforderlich. Für ArbeitnehmerInnen, welche bei einem Eisenbahn- infrastrukturunternehmen bzw Eisenbahnunternehmen beschäftigt sind, finden sich weitere Verschlechte- Mehr ArbeitnehmerInnen sollen aus dem Schutzbereich des Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetzes ausgenommen werden. Wen es aber genau betreffen wird, bleibt aber weitgehend im Dunkeln.