Neue Bücher 374 DRdA ? 3/2012 ? Juni Scherz Werkverträge & freie Dienstverhältnisse 3. Auflage, LexisNexis Verlag, Wien 2010, 120 Seiten, € 27,– Werkverträge und freie Dienstverträge stellen belieb- te Formen der Arbeitsflexibilisierung dar. Die zahlreichen Änderungen im Sozialversicherungs- und Steuerrecht der letzten Jahre – allen voran die sozialversicherungsrechtliche „Aufwertung“ freier Dienstverträge und die Möglichkeit eines „opting in“ in die Arbeitslosenversicherung für selbständig Erwerbstätige – haben eine Neuauflage dieses Ratgebers der GPA-Expertin für atypische Beschäftigung fast schon zwingend erforderlich gemacht. Scherz bietet mit ihrem Buch (potentiell) Betroffenen einen Überblick über die arbeits-, sozialversicherungs- und steuer- rechtlichen Grundlagen der genannten Vertragsformen. Zahl- reiche Beispiele erleichtern das Verständnis der kompakten, inhaltlich eher knapp gehaltenen Darstellung. Als besonders praxisrelevant ist jenes Kapitel hervorzuheben, in dem die Auto- rin systematisch die sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Konsequenzen im Falle parallel bestehender echter und freier Dienstverhältnisse bzw Werkverträge sowie die Auswirkungen von Einkünften aus Werk- bzw freien Dienstverträgen neben Sozial(versicherungs)leistungen und Studium darstellt; auch hier sorgen griffige Beispiele für eine bessere Verständlichkeit. Die rechtlichen Neuerungen hat die Autorin umfassend in die neue Auflage eingearbeitet. Kritisch ist hier allenfalls anzumerken, dass auf der Suche nach Erklärungen zu neuen Begriffen etwas Spürsinn erforderlich ist; so finden sich etwa die wichtigsten Erläuterungen zum neuen „opting in“ in die Arbeitslosenversicherung für Selbständige nicht wie erwar- tet bereits im Kapitel „Sozialversicherung“, sondern erst weiter hinten im Zuge der Darstellung von Parallelbezügen. Erleichtert wird diese Suche allerdings durch das Stichwort- verzeichnis im Anhang, das für den Anwender ebenso positiv hervorzuheben ist wie die ebenfalls im Anhang enthaltene, systematisch gegliederte Übersicht über die wichtigsten Ansprechpartner für weitergehende Informationen. BIRGIT SCHRATTBAUER (SALZBURG) Krapf/Thamm Jobverlust – Was kann ich tun? Manz Verlag, Wien 2011, 212 Seiten, broschiert, € 18,80 In einer immer mobiler werdenden Arbeitswelt werden langjährige Beschäftigungsverhältnisse zunehmend von der Regel zur Ausnahme; man mag dies bedauern, hat es aber jedenfalls zur Kenntnis zu nehmen. Gleichzeitig steigt der Bera- tungsbedarf der AN, die gewollt oder ungewollt mit einer Been- digung ihres Beschäftigungsverhältnisses konfrontiert sind. Die Autoren knüpfen an diesen Beratungsbedarf an und wollen mit ihrem Ratgeber die wichtigsten Informationen zusammenfassen, die für den Zeitraum der Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses und für die allenfalls folgende Phase der Arbeitslosigkeit benötigt werden. In diesem Sinne behandeln die Autoren sowohl arbeits- rechtliche Themen wie die Beendigung des Arbeitsverhältnis- ses, als auch einschlägige sozialversicherungsrechtliche The- men der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung vom Arbeitslosengeld über die Notstandshilfe bis zu Beihilfen des Arbeitsmarktservice (AMS); überdies behandeln die Autoren kursorisch auch die „Option Selbständigkeit“. Ansprechend ist der übersichtliche Aufbau dieses Ratge- bers, der im Anhang auch nützliche Adressen samt Telefonnum- mern auflistet (Gebietskrankenkassen, Geschäftsstellen des AMS, Bundessozialämter, Arbeiter- und Wirtschaftskammern etc). Erfreulich ist auch die leichte Lesbarkeit, die dennoch nicht auf Kosten der Vollständigkeit und Genauigkeit der einzelnen praxisrelevanten Themen geht; dies wird insb auch durch einen gut strukturierten Text erreicht (ua mit Beispielen und Tipps). Auch der erfrischende Stil trägt zur Lesefreude bei. Resümierend kann dieser Ratgeber nicht nur allen AN empfohlen werden, die mit einer Beendigung ihres Beschäfti- gungsverhältnisses konfrontiert sind, sondern er ist durchaus auch für den/die PraktikerIn, der/die sich einen schnellen Überblick verschaffen möchte, von Gewinn. WOLFGANG GORICNIK (SALZBURG) Burger Das Ende des Streikrechts? Verlag des ÖGB, Wien 2011, 196 Seiten, € 34,80 Zunächst und um Verwechslungen zu vermeiden: Es gibt nunmehr zwei Florian Burger in der Arbeitsrechtswissen- schaft. Den älteren (Rechtswissenschaftler) an der Universität Innsbruck, und den jüngeren, der bei der Arbeiterkammer Wien beschäftigt ist. Letzterer hat diese Monografie als Dis- sertationsschrift an der Universität Salzburg vorgelegt. Es gehört schon einiger Mut dazu, sich bei seinem Erstlingswerk an einem rechtsdogmatisch derart schwierigen Thema zu messen wie dem Arbeitskampfrecht. Noch dazu, wenn man dieses in den europarechtlichen Kontext einzu- betten sucht. Florian Burger löst diese Aufgabe durchaus stringent, indem er im ersten Teil vor allem den Begriff, die Arten und die nationalen rechtlichen Grundlagen des Arbeits- kampfrechts unter vollständiger Berücksichtigung des bishe- rigen Schrifttums darstellt, in der Folge einen interessanten Überblick über das Streikrecht in den anderen Mitgliedstaa- ten der EU bietet und schließlich zuletzt die Frage erörtert, wie sich ein gemeinschaftliches Grundrecht auf Streik zu den europäischen Marktfreiheiten verhält. Hierbei erleichtert die Einfügung von zusammenfassenden Zwischenergebnissen nach den jeweiligen Kapiteln wesentlich den Einstieg in die jeweils anschließende Thematik. Das Ergebnis – als kurze Antwort auf den in Frageform durchaus provokant gewählten Titel des Buches formuliert: „Kein Ende des Streikrechts!“ In einer Buchbesprechung einen rechtswissenschaftlichen Diskurs über einzelne Thesen zu führen, würde dem Umfang und der geistigen Leistung einer Monografie niemals gerecht werden und soll daher dem zukünftigen Schrifttum vorbehalten bleiben. Als Mitarbeiter einer Arbeiterkammer eines Bundeslan- des fühle ich mich aber jedenfalls zu folgendem kurzen Hinweis verpflichtet: Es gibt in Österreich nicht „die Arbeiterkammer mit ihren Landesstellen“, wie der Autor auf S 48 vermeint, sondern jede Arbeiterkammer eines Bundeslandes ist eine eigenständige Körperschaft öffentlichen Rechts, die grund- sätzlich autonom ihre gesetzlichen Aufgaben wahrnimmt. Der Umstand, dass das Kernthema der Monografie ganz woanders liegt, macht eine derartige Aussage zwar verzeih-, aber gerade für mich als Rezensenten nicht verschweigbar.