Neue Bücher 563DRdA ? 6/2013 ? Dezember erläutert, wobei die Darstellungen auch Hinweise auf nicht empfehlenswerte Klauseln enthalten. Abschließend erhält der Leser zum jeweiligen Themenkomplex taktische Hinweise sowie Anmerkungen zur Mitbestimmung des BR und zu sozi- alversicherungs- und steuerrechtlichen Konsequenzen. Die Ausführungen sind im Einzelnen verständlich geschrie- ben und beschränken sich auf das Wesentliche. Auch der österreichische Nutzer kann sich hierdurch recht schnell einen Überblick über die Rechtslage in Deutschland sowie insb über die aktuelle Rsp des Bundesarbeitsgerichts verschaffen. Die Erläuterungen zu den jeweiligen Themenkomplexen im dritten Teil erstrecken sich meist über mehrere Seiten. Darun- ter leidet die Übersichtlichkeit. Es wäre daher wünschenswert gewesen, wenn den jeweiligen Themenkomplexen nochmals ein kurzes Inhaltsverzeichnis vorangestellt worden wäre. Zum Teil werden einzelne Rechtsprobleme an mehreren verschie- denen Stellen des Buches abgehandelt. Beispielsweise finden sich sowohl unter den Erläuterungen zum „Arbeitsentgelt: Allgemein“ als auch unter den Erläuterungen zur „Arbeitszeit“ Anmerkungen zur Problematik der Pauschal abgeltung von Überstunden. Geeignete Querverweise, die das Auffinden der Textstellen erleichtern würden, sind jedoch weder im Text noch im Stichwortverzeichnis enthalten. Das Buch ist kompakt und bietet praxisnah das für die Vertragsgestaltung im deutschen Arbeitsrecht notwendige Handwerkszeug. Hinweise auf die aktuelle Rsp dienen der Rechtssicher- heit. Rechtkundigen kann das Buch als schneller Einstieg und Überblick über die jeweiligen Rechtsprobleme, und zwar sowohl im Hinblick auf die Vertragsgestaltung als auch bei der Überprüfung von vorhandenen Vertragsklauseln dienen. Das Buch ist insb auch für diejenigen, die nicht allzu häufig mit Fragen aus dem Bereich der Vertragsgestaltung im deut- schen Arbeitsrecht zu tun haben, sehr empfehlenswert. HELMUT ENGELBRECHT (WIEN) Bolkovac Ein Vergleich der Sozialpolitik Kanadas und Australiens aus österreichischer Sicht Verlag des ÖGB, Wien 2012, 220 Seiten, broschiert, € 29,90 Die politikwissenschaftliche Dissertation an der Universi- tät Wien untersucht, warum zwei Staaten mit sehr ähnlicher politischer Struktur doch deutlich unterschiedliche Ergebnisse im Bereich der Sozialpolitik haben. Der erste Hauptteil legt die politischen Strukturen der beiden Staaten (Parteien, Regie- rung und Parlament, Interessengruppen und Föderalismus) dar, wobei auch auf die Entwicklung ausführlich eingegangen wird. Im zweiten Hauptteil werden sodann die Hauptfelder der Sozialpolitik in den beiden Staaten erörtert. Martin Bolkovac schildert jeweils die aktuelle Situation wie auch ausführlich die historische Entwicklung und die Faktoren, die auf diese Ein- fluss genommen haben. Etwas zu kurz kommt allerdings die Verheißung des Titelteiles „aus österreichischer Sicht“. Kanada hat vor allem ein stark ausgebautes, universalis- tisches öffentliches Gesundheitssystem (dies auch in deutli- chem Gegensatz zu den USA). Die Pensionen der staatlichen Altersvorsorge haben zwar nur geringe Höhe, verhindern aber weitgehend Altersarmut. Die Leistungen bei Arbeitslo- sigkeit haben eine relativ hohe Ersatzrate, sind aber zeitlich begrenzt; die Anforderungen an die Arbeitsbereitschaft sind sehr hoch (so entfällt bei Selbstkündigung der Anspruch auf die Dauer). Letzteres gilt auch für die Sozialhilfe, deren Höhe deutlich unter der Armutsgrenze bleibt. In Anbetracht dieses Befundes kann man daher – wohl mit dem Verfasser – daran zweifeln, ob die Eingruppierung Kanadas in das liberale Modell von welfare voll zutrifft. Für Australien trifft diese Einordnung hingegen voll zu. Dort gibt es kaum eine Sozialpolitik wie in Europa. Die staat- liche Pension ist für alle gleich hoch (für Alleinstehende 25 % des Durchschnittslohnes); dazu tritt eine verpflichtende priva- te Altersvorsorge. Auch andere Geldleistungen sind nicht ein- kommensabhängig, sondern sollen nur eine Grundversorgung bieten, und zwar bei Bedürftigkeit. Dementsprechend gibt es auch keine materiellen Unterschiede zwischen Leistungen an Arbeitslose und Sozialhilfe; sie erhalten eine Pauschalsumme. Der Druck zur Arbeitsaufnahme ist hoch (workfare), erwar- tet wird auch Gemeinschaftsarbeit. Es gibt eine staatliche Gesundheitsvorsorge für alle, der Staat übt aber Druck zum Abschluss privater Krankenversicherungen aus. Auch wenn der Anteil der Sozialausgaben am BIP in beiden Staaten etwa gleich hoch ist (16 bzw 16,9 %; Österreich 26 %), sind die Ausgestaltungen doch deutlich verschieden. Der Autor erklärt den Unterschied durch zwei Faktoren. Erstens waren in Kanada in den letzten Jahr- zehnten überwiegend (links-)liberale Regierungen am Werk, während in Australien überwiegend eine rechtsgerichtete Koalition dominierte (überdies entspricht die sozialpolitische Zurückhaltung der Grundstimmung der Bevölkerung). Zwei- tens gibt es – nur – in Kanada eine Provinz, nämlich Quebec, die eine starke Stellung im Staat hat (Separationsdrohung; verfassungsrechtlicher veto-player) und deren Regierung sozialpolitisch aktiv ist. Das gut lesbare Buch bietet sehr interessante Einblicke in die Sozialpolitik von zwei Industriestaaten, die man bei uns selten näher betrachtet. ROBERT REBHAHN (WIEN) Wachter Altersdiskriminierung – Jahrbuch 2012 Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien 2012, 218 Seiten, broschiert, € 42,– Auch für das Jahr 2011 hat Gustav Wachter in bewähr- ter Manier ein Jahrbuch zur Altersdiskriminierung heraus- gegeben. Neben dem Überblick über die österreichische Judikatur und die Judikatur des EuGH aus dem Jahr 2011 findet sich auch ein Einblick über diesbezügliche Entwick- lungen in der deutschen Judikatur. Dabei geht es nicht nur um Urteile, die in Folge von Vorabentscheidungsurteilen des EuGH gefällt worden sind, sondern auch um Urteile des BAG und des BVerfG, die allein auf Basis des deutschen Rechts ergangen sind. Die Aufnahme der deutschen Judikatur ist sehr zu begrüßen, da diese durchaus auch für vergleichbare Fragestellungen in Österreich von Bedeutung ist. Darüber hinaus enthält das Jahrbuch wieder einige Aufsätze. Am Beginn steht ein Beitrag von Walter Obwexer, der sich mit dem grundsätzlichen Thema der Auswirkungen des Beitritts der EU zur EMRK auf das Verbot der Altersdis- kiminierung auseinandersetzt. Außerdem wurden dieses Jahr zwei Beiträge über die Rechtslage bei Altersdiskriminierung in