ATX-Unternehmen im BilanzCheck.Juni.2015 ? 4 1 ZUSAMMENFASSUNG Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der betriebswirtschaftlichen Analyse österreichischer Leit- unternehmen am Beispiel der im Austrian Trade Index (ATX) notierenden Gesellschaften. Diese 20 Konzerne repräsentieren nach MitarbeiterInnenzahl, Geschäftsvolumen und Reputation in besonderer Weise österreichi- sche Leitunternehmen. In diesen Unternehmen wurden zuletzt Umsätze von mehr als 100 Mrd. Euro erzielt und allein in Österreich mehr als 100.000 Personen beschäftigt. Wie es diese Konzerne geschafft haben, das anspruchsvolle Wirtschaftsjahr 2014 zu meistern, wird anhand der Entwicklung der Ertragslage (Umsätze, Be- triebserfolg, Gewinne), der Dividendenpolitik, der Vorstandsvergütung und der Beschäftigungszahlen unter- sucht. Die entsprechenden Informationen dafür stammen aus Finanzberichten bzw. Konzernjahresabschlüssen, die bereits von 18 und damit 90 % der ATX Unternehmen im ersten Halbjahr 2015 veröffentlicht wurden. Au- ßerdem werden Auskünfte der Abteilungen Investor Relations (IR) und Human Resources (HR) der betreffen- den Konzerne in die Analyse einbezogen. Umsatzerlöse. Die Umsätze der untersuchten ATX Unternehmen sind im vergangenen Geschäftsjahr das zweite Mal in Folge zurückgegangen. Von 2013 auf 2014 ist ein deutlicher Rückgang um 7,6 Mrd. Euro bzw. 7,0 % von 109,2 Mrd. Euro auf 101,6 Mrd. Euro zu verzeichnen. Rund 55 % der Unternehmen müssen Umsatzrückgänge hinnehmen, am stärksten trifft es dabei die OMV AG mit einem Minus von 6,5 Mrd. Euro bzw. 15,3 %. Betriebserfolg. Die analysierten Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen) erzielten im Jahr 2014 ein ordentliches Ergebnis bzw. ein Betriebsergebnis von rund 3,4 Mrd. Euro, das ist ein signifikanter Rückgang um mehr als ein Drittel (Rückgang um 37,0 %). Zwei Drittel der ATX Konzerne müssen zum Teil sogar erhebliche Einbußen im Kerngeschäft hinnehmen. Damit fällt das Ergebnis sogar niedriger als im Krisenjahr 2009 mit 3,8 Mrd. Euro aus, wie ein Rückblick zeigt. Gewinne. Noch deutlicher als der Betriebserfolg ist der Gewinn eingebrochen und zwar um 88,6 % auf insge- samt rund 500 Mio. Euro. Mehr als die Hälfte der Unternehmen verzeichnen Gewinnrückgänge. Sechs Konzer- ne haben das vergangene Bilanzjahr mit Verlusten abgeschlossen, den höchsten Jahresfehlbetrag darunter weist mit -1,3 Mio. Euro die Erste Group Bank AG auf. Dividenden. Obwohl die Gewinne deutlich gesunken sind, bleibt das Ausschüttungsvolumen auf hohem Niveau und erreicht knapp 1,5 Mrd. Euro. Aufgrund des geringeren Jahresüberschusses erhöht sich die effektive Aus- schüttungsquote jedoch signifikant und liegt im Schnitt bereits bei 76,9 % (2014: 55,6 %). Damit fließen fast 80 % der Gewinne an die Aktionäre. Ungeachtet der erzielten Verluste zahlen die Telekom Austria AG, die Lenzing AG und die Wienerberger AG Dividenden aus. Vorstandsvergütung. Trotz des Gewinneinbruchs (Rückgang um rd. 89 %) sowie der angespannten Lage im Kerngeschäft (Rückgang um rd. 37 %) erreicht ein durchschnittliches ATX Vorstandsgehalt 1,3 Mio. Euro. An der Spitze der Gehaltspyramide stehen der OMV-Vorstandsvorsitzende Gerhard Roiss (5,5 Mio. Euro), OMV- Finanzvorstand David C. Davies (2,9 Mio. Euro) sowie der Vorstandsvorsitzende der Andritz AG Wolfgang Leit- ner (2,7 Mio. Euro). Beschäftigung. Während sich Aktionäre und Manager auf ein krisenfestes Einkommen verlassen können, er- höht sich der Druck auf die Beschäftigten. In den österreichischen Standorten der ATX Konzerne sind in den letzten beiden Jahren 2.520 Vollzeitarbeitsplätze verlorengegangen, nur in einem Viertel der Konzerne ist es gelungen, die Beschäftigung auszuweiten. Zum Jahresende 2014 waren 100.052 MitarbeiterInnen an österrei- chischen Standorten beschäftigt, konzernweit waren es 321.165 ArbeitnehmerInnen.