33 Auch die zweite Ausnahmekonstellation ist vergleichsweise wenig bestimmt und erfasst die Erbringung einer Leistung von einer erfassten Vergabestelle an eine andere erfasste Vergabestelle („supplied by one covered entity to another“). Aus einer Daseinsvorsorgeperspektive ist insbesondere von großer Bedeutung, ob und inwieweit interkommunale Kooperationen unter den Begriff „supplied by one covered entity to another“ fallen. Dabei ist vor allem auch an jene nicht-institutionalisierten Konstellationen zu denken, in denen zwei oder mehrere öffentliche Auftraggeber (auf vertraglicher Basis) zusammenarbeiten, ohne jedoch eigens eine (der gemeinsamen Kontrolle unterliegende) Einrichtung für die interkommunale Zusammenarbeit zu schaffen und mit dieser Aufgabe zu betrauen. Nach dem Wortlaut können sowohl institutionalisierte als auch rein vertragliche Kooperationsformen unter die Ausnahmebestimmung in Annex 7 subsumiert werden. Die eigentliche Problematik, die auch schon im Zusammenhang mit der In-house-Vergabe erörtert wurde, besteht in der weitgehenden Unbestimmtheit der Formulierung „supplied by one covered entity to another“. Da im CETA etwa nicht auf die Zusammenarbeit zur Erreichung eines den beteiligten Vergabestellen gemeinsamen Ziels abgestellt wird, geht das durch Annex 7 Abs 1 lit e abgedeckte Spektrum öffentlich-öffentlicher Kooperationen sogar über unionsrechtlich zulässige vergabefreie öffentlich-öffentliche Kooperationsformen hinaus.119 Umgekehrt kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass ein Streitschlichtungsgremium die Ausnahme eng auslegt bzw zusätzliche Anforderungen an öffentlich-öffentliche Kooperationen stellt. Im Ergebnis erweist sich die rudimentäre Formulierung der Ausnahmen als zweischneidig. Die beiden Ausnahmen belassen der EU zwar einerseits wesentliche Gestaltungsspielräume hinsichtlich der detaillierten Anforderungen an In-house-Vergaben und öffentlich-öffentliche Kooperationen. Andererseits können die unbestimmten Formulierungen zu erheblicher Rechtsunsicherheit führen, da die Anforderungen, die im Rahmen des CETA an In-house-Vergaben oder interkommunale Kooperationen gestellt werden, letztlich beträchtlich vom unionsrechtlich (einigermaßen) etablierten Verständnis abweichen könnten. e. Berücksichtigung ökologischer und sozialer Kriterien? Öffentliche Beschaffer verfügen über ein großes finanzielles Potential, die Rede ist von 18% des BIP in der EU.120 Soweit Beschaffung auch zur Verfolgung strategischer Beschaffungsziele genutzt werden kann, handelt es sich daher um ein ganz wesentliches politisches Steuerungsinstrument. Insbesondere die neue VergabeRL 2014/24/EU bzw die neue SektorenRL 2014/25/EU enthalten detaillierte Bestimmungen hinsichtlich der Berücksichtigung von Sozial- und Umweltaspekten bei der Beschaffung.121 Auch diesbezüglich sind die Bestimmungen im Beschaffungskapitel des CETA vergleichsweise rudimentär. Es ist daher fraglich, ob und inwieweit Bestimmungen des CETA der 119 Vgl etwa EuGH Rs C-480/06 (Stadtreinigung Hamburg); Rs C-386/11 (Piepenbrock); Rs C-15/13 (Technische Universität Hamburg); zur Kodifikation der bisherigen Rsp in den neuen VergabeRL vgl etwa Art 12 Abs 4 RL 2014/24/EU. 120 KOM(2011) 896 endg, 3. 121 Vgl etwa S. Mayr, Vergaberecht als Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit – Verkehrte Welt oder Paradigmenwechsel im Unionsrecht?, in Breitenlechner et al (Hrsg), Sicherung von Stabilität und Nachhaltigkeit durch Recht (2015), 63 (82 ff).