4 2. WIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN Abbildung 1: Überblick über die makroökonomischen Annahmen der Budgetplanung Der Bundesvoranschlagsentwurf basiert auf der Konjunkturprognose des WIFO vom September 2015. Diese unterstellt, dass die von Mitte 2011 bis Anfang 2015 anhaltende Stagnation der öster- reichischen Wirtschaft langsam überwunden wird, ohne dass ein dynamischer Konjunkturaufschwung nach dem Muster vergangener Zyklen in Gang kommt. Das Wachstum des realen BIP soll im Jahr 2016 1,4 % betragen, nach 0,7 % im heurigen Jahr. Auf Basis des aktuellen Datenstandes vom November 2015 dürfte die Prognose eher am unteren Rand der möglichen Bandbreite angesiedelt sein: Seit dem Frühjahr 2015 hat sich die Export- nachfrage nach österreichischen Produkten merklich erholt, was eine Ausweitung der Industrie- produktion und langsam auch eine vorsichtige Belebung der Investitionstätigkeit nach sich zieht. Die Aussichten für die exportorientierte Industrie haben sich zuletzt weiter aufgehellt. Dazu kommt die Zunahme des öffentlichen Konsums aufgrund der gebotenen Ausweitung der Ausgaben für die steigende Zahl an Flüchtlingen und Asylsuchenden und die ab Jahresbeginn 2016 einsetzende Belebung der Konsumnachfrage der privaten Haushalte infolge der markanten Entlastung bei der Einkommensteuer. Dennoch dürfte das Wirtschaftswachstum auch 2016 nicht stark genug sein, um die seit Beginn der Finanzkrise bestehende erhebliche Lücke zwischen dem Produktionspotenzial und der tatsächlichen Wirtschaftsleistung (Outputlücke) entscheidend zu schließen. So schätzt die OECD die negative Outputlücke heuer auf 2,6 % des Potenzialoutputs anwachsen. In der von der Europäischen Kommission geschätzten Outputlücke kommt das allerdings nicht zum Ausdruck. Gemäß der neuesten Revision war die Krise bereits 2011 beendet und die Wirtschaftsleistung lag bereits wieder über Potenzial. Wie willkürlich das Verfahren der Kommission ist, zeigte sich nun Anfang November, als die von der EU-Kommission geschätzte Outputlücke für alle Jahre ab 2013 plötzlich um 0,3 Prozentpunkte verringert wurde. Damit ist nicht nur die nach den methodischen Vorgaben der Europäischen Kommission für das Jahr 2016 vom WIFO geschätzte Outputlücke von 0,9 % wieder obsolet, sondern dies bringt auch eine Verschärfung der budgetpolitischen Vorgaben mit sich. Die auf einer äußerst problematischen Schätzmethode basierende Berechnung unterschätzt die Unteraus- lastung der Wirtschaft jedoch drastisch: Noch nie waren so viele Menschen auf der dringenden Suche nach Arbeitsmöglichkeiten und auch die Unternehmen können ihre Produktionsmöglichkeiten bei weitem nicht ausschöpfen. Das prägende Kennzeichen der österreichischen Wirtschaft besteht Zu Grunde gelegten wirtschaftliche Rahmenbedingungen 2014 2015 2016 2014-2016 prognostizierte Veränderung gegenüber dem Vorjahr in % WIFO WIFO WIFO Veränd. Wirtschaftswachstum nominell 2,0 2,4 3,1 5,6 Wirtschaftswachstum real 0,4 0,7 1,4 2,1 Outputlücke (in % des BIP)* -1,2 -1,3 -0,9 0,3 Outputlücke gemäß EK-Prognose 5.11. (in % des BIP) -0,9 -1,2 -0,6 0,3 Outputlücke gemäß OECD-Prognose 9.11. (in % des BIP) -2,4 -2,6 -2,2 0,2 unselbständig Beschäftigte 0,6 0,9 1,0 1,9 Arbeitslose (in Tausend) 319,4 357,4 384,4 +65** Ar eitsl se quote (nationale Defintion) 8,4 9,2 9,7 +1,3** Arbeitslosenquote (Eurostat-Defintion) 5,6 5,8 6,0 +0,4** Lohn- und Gehaltssumme, brutto 2,5 2,7 2,8 5,6 pro Kopf 1,4 1,6 1,7 3,3 Wirtschaftsleistung in Mrd Euro 329,3 337,1 347,6 18,3** Quelle: BMF, WIFO, EU-Kommission, OECD. *implizite eigene Berechnung. ** Veränderung Absolut bzw. in Prozentpunkten.