Die Entstehung des öffentlichen Raums ist eine große Aufgabe. Es gibt vielfältige Zielvorstellungen und Interessen wie Ver- kehr, Spiel, Wirtschaft, Erholung, Bewe- gung, Kommunikation und Sicherheit, um nur einige zu nennen. Sie alle treffen auf unterschiedlichste Zuständigkeiten, Geneh- migungserfordernisse und Interessen aller Beteiligter. Der öffentliche Raum ist eine typische Querschnittsmaterie, er ist zwar unbestritten wichtig, doch allzu oft auch Opfer dieser dispersen Interessenlage. Die Stadt Wien steuert und beeinflusst jeden- falls auf vielfältige Weise die Entwicklung der neuen Stadtteile. Viele unterschiedliche Interessen Anhand dreier Stadtentwicklungsgebiete hat die AK Wien die Qualität des entstandenen öffentlichen Raums evaluieren lassen. Ziel war es, planerische Grundlagen, städtische Zielrichtungen und nicht zuletzt die gebau- ten Ergebnisse in Beziehung zu setzen und Schlussfolgerungen für künftige Herange- hensweisen abzuleiten. Für die Untersu- chung fiel die Wahl auf die Seestadt Aspern – das Vorzeigeentwicklungsgebiet Wiens –, das erst kürzlich fertiggestellte Sonnwend- viertel und die sogenannten Bombardier- gründe, ein in mehreren Bauetappen seit längerem fertiggestelltes Gebiet. Die vorliegende Studie zeigt, dass die Festlegungen der Flächenwidmungs- und Bebauungspläne wichtige Steuerungsinst- rumente im Hinblick auf die Lebensqualität in den neuen Stadtteilen sind. Das Ergebnis hängt jedoch auch vom Planungs- und Qua- litätsbewusstsein der handelnden AkteurIn- nen ab. Zusätzlich haben sich begleitende, übergeordnete Management- und Pla- nungsstrukturen als effektiv erwiesen. Bauplatzübergreifend planen Bei der gemeinsamen Erschließung von kompletten Stadtteilen stellt sich heraus, dass eine bauplatzübergreifende Herange- hensweise von zentraler Notwendigkeit ist. Dazu gehören die Organisation des ruhen- den Verkehrs, das Wegenetz für Fuß- und Radverkehr, die Vorsorge von gemeinsa- men Aufenthalts-, Spiel- und Freiräumen sowie die gemeinsam abgestimmte Ver- mietung und Verwertung von Erdgeschoß- flächen uvm. Die Studie zeigt, dass sich die Angebote in den Erdgeschoßen auf den einzelnen Parzellen der Bauträger zum Teil sehr stark unterscheiden. Bei einzelnen Gebäuden und Baublöcken werden häufig unterschiedliche Strategien für den öffentli- chen Raum verfolgt. So bieten einige Bau- träger vielfältig ausgestattete Freiräume an, andere wiederum nur eine Mindest- ? Freiräume sollen grundstücksübergreifend erschlossen werden. So entsteht im öffentlichen Raum mehr Fläche, die gemeinsam verwertet werden kann AK Stadt · Seite 7 wien.arbeiterkammer.at/meinestadt KOMMENTAR ZUSAMMENLEBEN Zusammenleben braucht Raum – auch außerhalb der eigenen vier Wände! Moderne Stadtentwicklung heißt, Ver- antwortung für den Raum zwischen den Bauplätzen zu übernehmen und öffentliche Flächen und Wege nicht dem Zufall zu überlassen. Die Dynamik eines neuen Stadtteils lässt sich nicht voll- ständig planen. Begegnungen aber schon! Gerade weil wir wachsen, brauchen wir eine Stadt der kurzen, attraktiven Wege, die in belebte Erdge- schoßzonen integriert sind und Interaktion zulassen. Wien hat hohes Kreativpotential in der Findung von Verbotsschildern. Gutes Zusammenleben in der Stadt setzt aber Kontakte und individuelle Aneignungsmög- lichkeiten von Raum voraus. Dabei gilt es nicht nur einen demografischen Horizont mit- hilfe von Klangspielplatz und Skaterpark über Stadtgärten bis hin zu grünen Ruheoasen abzudecken. Erkennen wir öffentlichen Raum als Ort an, an dem auch Konflikte ausgetragen wer- den können! Nachbarschaften entstehen durch Begegnung und das Teilen der gemeinsa- men Umwelt über die eigenen vier Wände hinaus. Umso wichtiger ist es, Räume zur Aushandlung verschiedener Interessen zur Verfügung zu stellen und gegebenenfalls durch Instrumente des moder- nen Stadtteil managements zu unterstützen. Sina Lipp, Soziologin/Sozial- arbeiterin und Forschungs- assistentin in der Abteilung Kommunalpolitik der AK Wien … die Strecke vor dem Kindergarten ist gut: sehr flach, glatt, mit Rücken- wind … (Erwachsener Mann, Passant, Longboardfahrer) Ein Zebrastreifen beim Campus über die Donaufelder Straße wäre gut! (Erwachsene Frau) Zitate aus der Befragung der AK Studie: „Öffentliche Räume in Stadtentwicklungsgebieten Wiens“