ausstattung. Dadurch entstehen klein- räumig oft sehr unterschiedliche und nicht immer aufeinander abgestimmte Angebote in den Erdgeschoßzonen. Werden Erschließung und Freiräume grund- stücksübergreifend angelegt, bleibt für den öffentlichen Raum mehr Fläche, die spiele- risch verwertet werden kann. Zufahrten und Abstandsflächen können minimiert werden, und bei etwa gleichbleibender Grundfläche entsteht mehr nutzbarer Raum. Ein Grundnetz, das von den Menschen oft nur wenige Minuten in Anspruch genom- menen wird, braucht Mikrofreiräume. Diese müssen in neuen Stadtentwicklungsge- bieten die Basisstruktur der Freiraumver- sorgung bilden. Werden beispielsweise Sitzmöbel (eventuell sogar mit Witterungs- schutz) angeboten, unterstützt dies den Komfort für alle, es hilft aber auch weni- ger mobilen Gruppen (zB mobilitätsein- geschränkten oder älteren BürgerInnen, Menschen mit viel Gepäck), selbststän- dig und unabhängig zu sein. Als Ziel sollte die Vorsorge einer einheitlichen Mindest- ausstattung mit Mikrofreiräumen für alle Projekte gelten. Das kann durch verbindli- che, bauplatzübergreifende Festlegungen erreicht werden. Übergreifendes Erdgeschoßmanagement Der Vergleich der untersuchten Stadtent- wicklungsgebiete zeigt auch, dass das Ziel, belebte Erdgeschoßzonen zu schaf- fen, nicht immer erreicht werden konnte. Die alleinige Planung von Geschäftslokalen ist noch lange kein Garant für ein belebtes Erdgeschoß. Eine wichtige Voraussetzung für einen lebendigen öffentlichen Raum besteht im Zusammenspiel von Erdge- schoßnutzungen und anderen Freiräumen. Belebte Erdgeschoßzonen sind als Kom- munikations- und Begegnungsräume für alle BenutzerInnen von großer Bedeutung. Sie bieten nicht nur Angebote für Bewoh- nerInnen, sondern auch Arbeitsplätze, und fördern die Begegnung der Menschen aus alten und neuen Nachbarschaften. Neben baurechtlichen Festlegungen wie Geschoßhöhen oder Arkadierungen erwei- sen sich Vereinbarungen und Verträge mit potenziellen MieterInnen der Erdge- schoßzonen als sinnvoll. Dabei hat sich ein übergreifendes Erdgeschoßmanagement bewährt. Ein Management, wie es zB in der Seestadt Aspern eingerichtet wurde, hilft, ein nachbarschaftliches Miteinander zu erreichen. Der Straßenraum muss mehr sein als ausschließlich Versorgungs- und Verkehrsraum. Werden neue Viertel in bestehende Sied- lungsgebiete eingebettet, betrifft das nicht nur die Anordnung von Baukörpern und die Situierung von Freiräumen, sondern auch die Konnektivität und die Kommunikation über den neuen Stadtteil hinaus. Dabei geht es darum, ob neue Stadtteile genauso von BewohnerInnen aus der Nachbarschaft genutzt werden können und umgekehrt. Die Integration neuer Stadtteile in beste- hende Siedlungsgebiete hängt auch von der Qualität des bisherigen Bestandes ab. Damit ein zusammenhängendes Stadt- gefüge entstehen kann, ? wien.arbeiterkammer.at/meinestadt AK Stadt · Seite 8 ERDGESCHOßZONEN SIND WICHTIGE BEGEGNUNGSRÄUME FÜR MENSCHEN. SIE SOLLTEN BEWUSST ORGANISIERT WERDEN, UM DIE INTER- AKTION ZWISCHEN ALTEN UND NEUEN STADTTEILEN ZU FÖRDERN Ein bisschen Komfort muss sein. Sitzbänke gehören zur Mindestausstattung von Mikrofreiräumen Thema NEUE STADT- ENTWICKLUNG DIE UNTERSUCHUNGSGEBIETE Zehntausende Wohneinheiten Das Sonnwendviertel wird seit 2012 schrittweise bebaut und bewohnt. Im gesamten Gebiet soll es bis 2019 etwa 5.000 Wohnungen für 13.000 Men- schen geben. Der neu errich- tete Bildungscampus grenzt an den Helmut-Zilk-Park. Auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern im 22. Bezirk befindet sich die Seestadt Aspern, eines der größten Stadtent- wicklungsgebiete Europas. Innerhalb von 20 Jahren wer- den Wohnungen für 20.000 Menschen und noch ein- mal so viele Arbeitsplätze geschaffen. Die sogenannten Bombardier- gründe, Donaufelder Straße, liegen am östlichen Rand des dicht bebauten Stadtgebiets des 21. Bezirks. Zwischen Wohngebäuden, die gemein- same Grenzen be sitzen, wur- den Gemeinschaftsflächen und ein öffentlicher Platz gebaut. ? Sonnwendviertel ? Seestadt Aspern ? Bombardiergründe Fortsetzung S. 10