WIEN NEU ARBEITERKAMMER WIEN 97 „In 1989….Brussels is given the status of a Region, with its own directly elected parliament and its own government. Just as Belgium’s French-speaking minority is given a guaranteed representation, and thereby a veto power, in the federal government ….., Brussels’ Dutch-speaking minority is given a guaranteed representation, and thereby a veto power, in the government of the Brussels Re- gion…. Crucial is that there is no similar protection of the Dutch-speaking minorities in the execu- tives … of the nineteen communes that make up the Brussels Region…….This difference explains it all. Any transfer of powers from the communes to the Region, a fortiori a merger of the nineteen communes into a single one that would coincide with the Region - just as the municipalities of Vien- na and Berlin coincide with the respective Länder - would entail a shift of power from Brussels’ French-speaking majority to its Dutch-speaking minority, and the Francophones in power, especially if they are active at the communal level, understandably do not want that. Besides this contingent institutional fact, is there any more fundamental reason why powers should be more decentralized in Brussels than in Vienna or Berlin, in Paris or in Antwerp? None whatever. In Brussels as in other cities, interdependencies in a densely populated area raise the same problems and require the same institutional solutions.“ (Quelle: http://www.thebrusselstimes.com/opinion/must-brussels-be-like-vienna-and-berlin) Am Beispiel der Gemeindezusammenlegung zeigt sich, wie stark das politische System und die Verwaltungs- und Kompetenzstrukturen Belgiens von den Sprachgemeinschaften geprägt sind, um nicht zu sagen, mit Hauptaugenmerk auf die Wahrung der Interessen der Sprachgemeinschaften formuliert sind. Auf diesen spezifischen – oftmals sehr dominanten – Aspekt der Rolle der Sprach- gemeinschaften und der daraus sich ergebenen Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen wird hier aber nicht näher eingegangen. 4.4.1 Verwaltungsstruktur und Kompetenzverteilung Belgien war bis 1970 ein zentralistischer Staat, der im Laufe von verschiedenen (mittlerweile 6) Staatsreformen zu einem Bundesstaat umgewandelt wurde, was in Art. 1 bis 4 der belgischen Ver- fassung festgelegt ist: Art. 1: Belgien ist ein Föderalstaat, der sich aus den Gemeinschaften und den Regionen zu- sammensetzt. Art. 2: Belgien umfasst drei Gemeinschaften: die Deutschsprachige Gemeinschaft, die Flä- mische Gemeinschaft und die Französische Gemeinschaft. Art. 3: Belgien umfasst drei Regionen: die Wallonische Region, die Flämische Region und die Brüsseler Region. Art. 4: Belgien umfasst vier Sprachgebiete: das deutsche Sprachgebiet, das französische Sprachgebiet, das niederländische Sprachgebiet und das zweisprachige Gebiet Brüssel- Hauptstadt. Jede Gemeinde des Königreichs gehört einem dieser Sprachgebiete an. Der Föderalstaat Zu den Aufgabenbereichen des Förderalstaates gehören jedenfalls der Staatshaushalt und Wäh- rungspolitik sowie die Verteilung der Steuergelder. Weiteres die Aussen- und Verteidigungspolitik, das öffentliche Beschaffungswesen, der Verbraucherschutz, die Justiz, die innere Sicherheit sowie das System der Sozialversicherung. Die Gemeinschaften und die Regionen bilden mit dem Föderal- staat gleichwertig die höchste Ebene. Sie unterscheiden sich durch die verschiedenen Hoheitsge- biete, Institutionen und Befugnisse, über die sie verfügen.