WIEN NEU ARBEITERKAMMER WIEN 101 4.4.2 Die Gemeinden der Region Brüssel Hauptstadt Die belgischen Gemeinden bestanden bereits vor dem belgischen Staat und wurden durch die Ver- fassung von 1831 anerkannt. 1988 erschien das neue Gemeindegesetz. Die breit gefasste „kommu- nale Autonomie“, die sie unter Aufsicht der höheren Behörden ausüben können, war von Anfang an festgeschrieben. Die Beaufsichtigung der Gemeinden erfolgt durch die Region ihres Territoriums, sowie durch Behörden der (Sprach)Gemeinschaften und des Föderalstaates, in deren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen. In Belgien gibt es 589 Gemeinden, davon 308 flämische, 262 wallonische plus die 19 Städte und Gemeinden der Region Brüssel-Hauptstadt. Die Region Brüssel-Hauptstadt stellt sich von der Siedlungsstruktur als eine große Stadtregion dar. Mit einer Dichte von über 7.200 EW/km 2 liegt die gesamte Region weit über dem Wert der Stadt Wien mit rd. 4.200 EW/km 2 . Nur 3 der 19 Gemeinden haben eine niedrigere Dichte als Wien, alle anderen liegen teilweise deutlich darüber. Die Gemeinden Saint-Josse-ten-Noode und Saint- Gilles/Sint-Gillis erreichen Werte, wie sie bspw. für Mumbai ausgewiesen werden. Die 19 eigenständigen Städte und Gemeinden der Region Brüssel Hauptstadt unterscheiden sich nicht nur von der Bevölkerungsgröße und –struktur, sondern auch von den ökonomischen und so- zialen Bedingungen voneinander. Die kleinste Gemeinde Koekelberg mit knapp über 21.000 Ein- wohner/innen steht innerhalb der Region der Hauptstadt Brüssel mit über 170.000 Einwohner/innen gegenüber. Drei der 19 Gemeinden haben über 100.000, 6 Gemeinden weniger als 40.000 Einwoh- ner/innen. Wie unterschiedlich sich die Sozialstruktur innerhalb der Region Brüssel darstellt, soll anhand von zwei Indikatoren gezeigt werden, der Höhe der Miete für eine 2-Zimmer Wohnung sowie das Niveau der Arbeitslosigkeit. Die Mieten liegen zwischen Euro 634 in der Stadt Anderlecht und 940 Euro in Woluwé-Saint-Lambert, für diese beiden Gemeinden werden Arbeitslosenquoten von 24,6 % bei den Frauen und 22,3 % bei den Männern, bzw. 12,3 % (F) und11,5 % (M) ausgewiesen. Die Gemeinde erfüllt ganz ähnlich wie auch in Österreich eine doppelte Funktion ? sie agiert als untergeordnete vollziehende Ebene der übergeordneten Kompetenzen (feder- al, regional, communautaire) und ? sie agiert als autonome Gebietskörperschaft, ausgestattet mit eigenen Entscheidungsbe- fugnissen im eigenen Wirkungsbereich, sofern dies nicht durch Verfassung, Dekret oder Verordnung ausgeschlossen ist (im Gemeindegesetz von 1988 geregelt)