Research 3 ZUSAMMENFASSUNG Im Herbst 2016 steht auf EU-Ebene die Entscheidung an, ob das ausverhandelte Freihan- delsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada angenommen wird. Die Europ�ische Kommission (EK) wirbt f�r das Abkommen mit der F�rderung von Handelsbeziehungen und der Schaffung von Arbeitspl�tzen. Jedoch kommen auch die von der EU- Kommission beauftragten Studien nur zu einer verschwindend geringen Steigerung der Wirtschaftsleistung durch CETA von 0,03% bis 0,08% f�r die gesamte EU. Dies ent- spricht nach einer mehrj�hrigen Implementierungsphase des Abkommens einem einmali- gen Einkommensgewinn von 20 Euro pro EU-B�rgerIn. Zudem gilt es, die Annahmen und Modelle hinter diesen Ergebnissen zu hinterfragen und die nicht beachteten Risiken und Anpassungskosten offenzulegen. Dies ist umso wichtiger, als nicht zuletzt die EU-Kommission selbst die Neuartigkeit des Abkommens be- tont, durch das in vielen Bereichen die Zusammenarbeit in Regulierungsfragen intensiviert und der Investorenschutz durch die vieldiskutierte Investor-Staat-Streitbeilegung (Invest- ment Court System, ICS) ausgebaut wird. CETA gilt damit als eine Vorreiterin f�r die k�nfti- ge Handelspolitik der EU, in der Themen wie Regulierung, Liberalisierung des �ffentlichen Beschaffungswesens und Schutz von Investitionen im Mittelpunkt stehen. In dieser Studie werden drei Hauptaspekte behandelt: 1) Die bekannten Studien zu �konomischen Effekten von CETA werden zusammen- gefasst und kritisch �berpr�ft. Dabei werden unzureichende Modellannahmen problematisiert und fehlende Risiken und Anpassungskosten dargestellt. 2) Basierend auf dem �FSE Global Trade Model werden die �konomischen Effekte von CETA auf die Mitglieder des Abkommens und andere Weltregionen � aber auch speziell f�r �sterreich � gesch�tzt. Das verwendete Modell erlaubt dabei im Gegen- satz zu herk�mmlichen Ans�tzen auch Aussagen zu Effekten auf Besch�ftigung, L�hne, Budgetdefizit und Leistungsbilanz. 3) Modellbasierte Analysen zu den wirtschaftlichen Effekten von Handelsabkommen sind immer mit gewissen Unsicherheiten verbunden, da bestimmte Parameter nicht exakt abzusch�tzen sind. In den Handelsabkommen der neuen Generation wie CETA wird dies durch die Bedeutung von nicht-tarif�ren Handelshemmnissen wie Regulie- rungen und technische Standards noch verst�rkt, da ex-ante unklar ist, wie stark Handelskosten durch regulatorische Zusammenarbeit gesenkt werden k�nnen. Des- halb wird mithilfe einer Sensitivit�tsanalyse die Schwankungsbreite der Ergeb- nisse aufgrund der Variation von wichtigen Parametern aufgezeigt. Kritik an bestehender Studien Zu den wichtigen Studien zu CETA z�hlen die �Joint Study by the European Commission and the Government of Canada� (Joint Study, 2008) und das EU Sustainability Impact As- sessment (SIA, 2011), die beide von der EK beauftragt wurden. Au�erdem ist die Studie von Francois/Pindyuk (2013) mit Fokus auf �sterreich von Relevanz. Die in diesen Studien verwendeten Modelle beruhen alle auf angebotsseitigen, neoklassischen Annahmen und k�nnen nur bedingt Aussagen �ber wichtige makro�konomische Variablen wie insbesonde- re Besch�ftigungseffekte machen.