5FAIR TRANSPORT EUROPE – EINE EUROPÄISCHE BÜRGERINITIATIVE 1 European Commission (2015): EU Statistical Pocketbook 2015: Transport in figures, Luxemburg, S. 24, S. 37, S. 46; Statistik Austria (2016): Leistungs­ und Strukturstatistik 2013, Wien, S. 74; Statistik Austria (2015): Verkehrsstatistik 2014, Wien, S. 56 2 BMVIT (2012): Verkehr in Zahlen 2011, Wien, S. 117 3 Eurostat Datenbank: Medianstundenlohn, Transport und Lagerei, 2010 Regulierung grenzüberschreitender Arbeitsverhält­ nisse oder umgehen Vorschriften, um bei Lohn­ und Sozialstandards ihrer Beschäftigten einzusparen. ArbeitnehmerInnen mit Anspruch auf vergleichs­ weise hohe soziale und Arbeitsstandards – wie in Österreich – sind besonders von Praktiken des (grenzüberschreitenden) Lohn­ und Sozialdumping betroffen. Hinzu kommt, dass Österreich ob seiner geographischen Lage ein wichtiges Verkehrs­ transitland zwischen Ost­ und Westeuropa sowie Süd­ und Nordeuropa darstellt. Arbeitsmarkt­ und Sozialstrukturen weichen in den EU­Ländern stark voneinander ab. Der durchschnittliche Stunden­ verdienst im Verkehrssektor liegt in Österreich bei 14 Euro, in Bulgarien bei 2,20 Euro.3 Durch die Möglichkeiten, die die Freizügigkeit des Binnen­ markts bietet, wird dieses Lohngefälle von grenz­ überschreitend aktiven Unternehmen massiv ausgenutzt. Dabei sind die Grenzen zwischen dem, was erlaubt ist und unlauterem Wettbewerb, indem bestehende Beschäftigungsnormen unterwandert werden, nicht immer eindeutig. Wohin die Reise gehen soll … Die vorliegende Broschüre gibt Einblick in Arbeits­ alltag und Arbeitsbedingungen mobiler Beschäf­ tigter in der Transportbranche – die sich auch in Österreich zunehmend prekär gestalten: Flug­ begleiterInnen werden über Leiharbeitsfirmen angestellt; Cateringpersonal in österreichischen Eisenbahnen arbeitet zu ungarischen statt zu österreichischen Löhnen; LKW­FahrerInnen sind über dubiose Firmenkonstruktionen für österreichi­ sche Speditionen in ganz Europa zu slowakischen Löhnen unterwegs; BusfahrerInnen arbeiten ohne Lenk­ und Ruhepausen durch, um den vorgegebe­ nen Fahrplan einzuhalten; PilotInnen zahlen dafür, dass sie fliegen dürfen. Für alle Beschäftigten der Transportbranche gilt: die Arbeitsverdichtung hat zugenommen. Die Arbeitsverhältnisse sind diverser und tendenziell schlechter abgesichert. Nicht allen ergeht es so wie den LKW­FahrerInnen, die tagelang auf Europas Straßen zu miserablem Lohn, überlangen Arbeits­ zeiten, ohne Krankenversicherung und Dach über dem Kopf – außer jenem des LKWs – unterwegs sind. Damit das traurige Beispiel der LKW­Fah­ rerInnen nicht zum Vorbild für andere Berufe wird, wurde die Initiative Fair Transport Europe der europäischen Verkehrsgewerkschaften ins Leben gerufen. Neben allgemeinen – und für alle grenzüberschreitend tätigen ArbeitnehmerInnen in Europa wichtigen – Vorschlägen zur Gewäh­ rung fairer Löhne und Arbeitsbedingungen sowie zur Bekämpfung des Sozialdumpings, bringt die Initiative auch ganz konkrete Maßnahmen für die einzelnen Sektoren der Verkehrswirtschaft in die Debatte ein. Die Herausforderungen der Durchset­ zung und Umsetzung sind groß, aber unerlässlich anzugehen, um die europäische Verkehrswirtschaft ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig zu gestalten und sichere, gesunde und würdige Beschäftigungsbedingungen zu gewährleisten. ? FairTransport_20160517_RZ.indd 5 18.05.16 12:04