A R B E I T N E H M E R i N N E N S C H U T Z 15 bahngarnituren mit verbesserter Fah- rerplatzabsicherung im Einsatz. Überall dort, wo Betriebsrätinnen und Betriebs- räte Druck machten, gibt es auch Kon- flikt- und Deeskalationstrainings als fi- xen Bestandteil der Ausbildung. Wie reagieren die Unternehmen auf die Übergriffe? Hebenstreit: Die Sensibilität ist an sich vorhanden, Verbesserungen scheitern allerdings meist am Kostendruck. Es gibt seitens der Behörden ja keine verbindli- chen Vorgaben. Wie viel Personal – auch Polizei – ist bei Großereignissen nötig? Wie viele MitarbeiterInnen mit welcher Ausbildung sind nötig, wenn etwa ein Zug evakuiert werden muss? Wir brau- chen gesetzliche Regelungen, wann und wo welche Sicherheitsmaßnahmen nö- tig sind – auch im Sinne der Fahrgäste. Wessely: Bei uns wurden auf Druck der Betriebsrätinnen und Betriebsräte Deeskalationstrainings eingeführt. Wei- ters wurden eigene MitarbeiterInnen für die Erstbetreuung von attackierten Kolleginnen und Kollegen ausgebildet. Hebenstreit: Wenn tatsächlich irgend- wo eine neue Sicherheitsmaßnahme gesetzt wird, dann wird sie aus Kosten- gründen manchmal bald wieder einge- stellt. Kurz gesagt: Kaum hören wir auf zu rudern, treiben wir schon zurück. Wie weit ist der im Frühjahr beschlosse- ne Forderungskatalog gediehen? Hebenstreit: Wir wollen den öffentli- chen Dienst noch ins Boot holen. Die Eckpunkte sind klar: gesetzliche Rah- menbedingungen für mehr Sicherheit in den Öffis, mehr entsprechend geschul- tes Personal – zusätzlich zu technischen Maßnahmen wie mobile Warngeräte oder Kameras. Wessely: Es darf keinen Wettbewerb auf Kosten der Sicherheit geben. Von ausreichendem und geschultem Perso- nal profitieren auch die Fahrgäste. Moderation: Astrid Fadler, freie Journalistin Komplettes Interview unter tinyurl.com/interview214 Immer wieder berichten die Medien von Übergriffen gegen Öffi-Personal. Werden die Attacken tatsächlich häu- figer? Hebenstreit: Insgesamt haben die Vor- fälle – Gewalt gegen MitarbeiterInnen oder zwischen Kundinnen und Kunden, aber auch Erkrankungen von Fahrgästen – enorm zugenommen. Der Umgangs- ton ist rauer geworden, die Übergriffe wurden brutaler. Da muss der Betriebs- rat natürlich reagieren. Wessely: Tätliche Übergriffe hat es im- mer gegeben, leider verzeichnen wir ei- nen Anstieg von 2012 auf 2013. Auch die Brutalität hat zugenommen. Hebenstreit: Kameras alleine reichen nicht als Sicherheitsmaßnahme. Unse- re Kolleginnen und Kollegen sind ja oft irgendwo allein in der Peripherie unter- wegs, die Beschäftigten müssen außer- dem ihre Fahrzeuge auch manchmal verlassen. Hintersteiner: Ein Teil unserer Forderun- gen wurde bereits umgesetzt. So sind seit Kurzem acht adaptierte Straßen- Im Gespräch zum Thema „Gewalt gegen Öffi-Bedienstete“: Kurt Wessely (BR-Vorsitzender Fahrbetrieb und Kundendienst), Günter Hintersteiner (stellvertretender BR-Vorsitzender), Roman Hebenstreit (Gewerkschaft vida, Sektion Verkehr). SPARZWANG KONTRA SICHERHEIT Tätliche Übergriffe gegen Öffi-Bedienstete – welche Maßnahmen gibt es bereits, was wollen die Gewerkschaf- ten? Ein Gespräch mit Roman Hebenstreit (vida-Sektion Verkehr), Kurt Wessely (BR-Vorsitzender Wiener Linien) und Günter Hintersteiner (stellvertretender BR-Vorsitzender Wiener Linien). © Da ni el Fla m m e