16 A L T E R N S G E R E C H T E A R B E I T Altersgerecht oder alternsgerecht? D as „n“ macht den kleinen Unter-schied aus. Altersgerechte Maß-nahmen sind solche, die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern helfen. Denn die altersgerechte Arbeitsge- staltung berücksichtigt die Veränderungen der physischen und psychischen Leistungs- fähigkeit bei älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Durch gezielte Maß- nahmen werden die Arbeitsanforderungen dem geänderten Leistungsvermögen ange- Mehr Infos zum Thema alter(n)sgerechte Arbeit unter tinyurl.com/alternsgerecht214 passt. Durch altersgerechte Arbeitsgestal- tung werden Veränderungen im Alter wie z. B. die Abnahme des Sehvermögens oder der Muskelkraft ausgeglichen (kompensa- torischer Ansatz). Die alternsgerechte Ar- beitsgestaltung nimmt den Zeitfaktor in den Blick und verfolgt das Ziel, die Arbeits- fähigkeit für die gesamte Dauer der Er- werbstätigkeit zu erhalten und zu fördern. Dabei sollen Unter- und Überforderung sowie dauerhafte Leistungseinbußen ver- mieden werden. Maßnahmen des alterns- gerechten Arbeitens sollen sicherstellen, dass auch Ältere produktiv und innovativ bleiben können. Der Ansatz der alternsge- rechten Arbeitsgestaltung ist vorbeugend (präventiver Ansatz). Ein Betrieb braucht immer beides: Alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung, um die Arbeitsfähigkeit der ArbeitnehmerInnen langfristig zu er- halten. Im Folgenden finden sich Beispiele, die den Unterschied erläutern sollen. Physiologische Veränderungen Altersgerechte Anpassung von Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung ?Abnahme des Sehvermögens, verminderte Akkommo- dation (= die Fähigkeit der Augenlinse, sich auf Nah- und Fernsicht einzustellen) ? Stärkere Beleuchtung ? 50 Prozent mehr Beleuchtung für Beschäftigte zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr ? 100 Prozent mehr Beleuchtung für Beschäftigte über 55 Jahre ? Erhöhung des Kontrastes an Sichtgeräten und Messinstrumenten ?Vergrößerung von Schrift und Symbolen auf Monitoren ?Verminderung von Blendung Was macht Arbeit gesundheits- und lernförderlich? Empfehlungen für die alternsgerechte Arbeitsgestaltung Vielseitigkeit der Tätigkeit ?Verschiedene Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten nutzen können ?Durch die Arbeit Neues lernen ? Tätigkeitswechsel mit unterschiedlichen körperlichen und geistigen Anforderungen ? Erhaltung der intellektuellen Flexibilität Handlungsspielraum bei der Ausführung der Arbeitsaufgabe ? Eigene Entscheidungen in Bezug auf Arbeitsverfahren, Verwendung von Arbeitsmitteln und die zeitliche Orga- nisation der Arbeit treffen können ? Freie Zeiteinteilung begünstigt eine gleichmäßige Belastung, hohe Leistungserbringung und Arbeitsmotivation ? Steigerung der Belastbarkeit, Zufriedenheit und des Selbstwerts ? Förderung der Identifikation mit der Arbeit und der Organisation/ dem Unternehmen Wissen und Lernen für und durch die Arbeitsaufgabe ?Vorhandenes Wissen für die Arbeitsaufgabe anwenden und Neues dazulernen können ?Die Tätigkeit dauerhaft anforderungsgerecht erfüllen können ?Angebote zur Weiterbildung nutzen können ? Lernmöglichkeiten reduzieren Stress, stärken die Fähigkeit zur Bewältigung sich wandelnder Arbeitsanforderungen und fördern die intellektuelle Fähigkeit zum Weiterlernen Gestaltungstipps für altersgerechtes Arbeiten Gestaltungstipps für alternsgerechtes Arbeiten Ingrid Reifinger, ÖGB Weitere Gestaltungstipps für alter(n)sgerechtes Arbeiten finden Sie im Buch Alters- und alternsgerechtes Arbeiten – Handlungshilfe für Betriebsräte Mehr Infos und bestellen unter tinyurl.com/buchaa214