6 waren so viele Menschen auf der dringenden Suche nach Arbeitsmöglichkeiten, und auch die Unternehmen können ihre Produktionsmöglichkeiten noch bei weitem nicht ausschöpfen. Die österreichische Wirtschaft könnte – ohne inflationäre Wirkungen auszulösen – deutlich mehr produzieren, wenn nur die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen stärker wäre. Doch die bestehende Unterauslastung der Kapazitäten spiegelt sich in der von der Europäischen Kommission geschätzten Outputlücke in keiner Weise wider. 4 Denn gemäß dieser Berechnung wird sich die heimische Wirtschaft 2017 bereits nahe der Normalauslastung bewegen. Ein wesentlicher Teil des tatsächlich bestehenden Nachfragemangels in Österreich ist nach wie vor das Ergebnis der anhaltenden wirtschaftlichen Krise bei den europäischen Handelspartnern: Die von Banken und Finanzmärkten ausgelöste und von der Austeritätspolitik verschärfte Krise bringt für den Euroraum ein verlorenes Jahrzehnt mit sich. Die reale Wirtschaftsleistung liegt heute nur geringfügig über dem Niveau von 2007, beim wichtigen Handelspartner Italien sogar fast 10 % darunter. Selbst in Österreich, Deutschland und anderen Ländern, die besser durch die Krise gekommen sind, blieb das Wachstum markant unter dem langfristigen Trend. Die heimische Wirtschaftspolitik muss sich deshalb im europäischen, aber auch im eigenen Interesse dafür einsetzen, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise zu überwinden. Dies wird ohne einen koordinierten Impuls seitens der öffentlichen Investitionen nicht gelingen. Noch wichtiger erscheint die langfristige Bedeutung der öffentlichen Investitionstätigkeit: Der Bedarf an einer qualitativ hochwertigen Infrastruktur ist in sozialer wie wirtschaftlicher Hinsicht heute in ganz Europa hoch. Denn in vielen Ländern wurde in den letzten sechs Jahren in besonderem Ausmaß im Segment der öffentlichen Investitionen gespart. Für eine dynamische Wirtschaft, eine solidarische Gesellschaft und eine intakte Umwelt benötigt Europa rasch Verbesserungen zum Beispiel im öffentlichen Verkehr, bei Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, bei den Energienetzen sowie in der Infrastruktur der Elektromobilität. Abbildung 2: Öffentliche Nettoinvestitionen (in % des BIP; netto = abzügl. Abschreibungen) Quelle: Europäische Kommission (AMECO-Datenbank Mai 2016). 4 Vgl. Philipp Heimberger, Jakob Kapeller (2016): The performativity of potential output. Pro-cyclicality and path dependency in coordinating European fiscal policies. http://www.jku.at/icae/content/e248904/e248907/e249185/e309367/wp50.pdf -0,5% 0,0% 0,5% 1,0% 1,5% 2,0% 1 9 9 5 1 9 9 6 1 9 9 7 1 9 9 8 1 9 9 9 2 0 0 0 2 0 0 1 2 0 0 2 2 0 0 3 2 0 0 4 2 0 0 5 2 0 0 6 2 0 0 7 2 0 0 8 2 0 0 9 2 0 1 0 2 0 1 1 2 0 1 2 2 0 1 3 2 0 1 4 2 0 1 5 2 0 1 6 Eurozone Deutschland südliche Euroländer (IT, ES, PT, GR) Österreich Schweden